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Personen, Preise, Pointen |
|  | |  | Zwiegespräche Selten informierte in den letzten Jahren eine Architekturausstellung so umfassend über die sozialen, politischen und kulturellen Rahmen architektonischer Produktion wie die aktuelle Ausstellung "Berlin-New York Dialogues" im Deutschen Architektur Zentrum (DAZ) in Berlin. Überaus klug beschränkten sich ihre Kuratoren aus New York und Berlin auf jeweils drei ausgewählte Stadtgebiete, die tatsächlich vergleichbar in Struktur und Wandel sind. So stehen sich nun in der Ausstellung der östliche Spreeraum, die Spandauer Vorstadt und die nördliche Mitte Berlins auf der einen Seite und das Trendquartier Chelsea in Manhattan, Red Hook in Brooklyn und Hunts Point & Mott Haven in der South Bronx auf der anderen Seite gegenüber. Arm und Reich, Dichte und Leere, Kiez/ Neighbourhood und Urbanitenkultur dies- und jenseits des Atlantiks werden hier anhand von Bildern und Texten eingängig dargestellt. Weiterhin werden aufschlussreiche Zahlen zu beiden Städten durch ein Kaleidoskop von Plänen, Projekten, Situationsaufnahmen und Textkästen ergänzt, die den Wandel der Stadtgebiete und ihrer Bewohner zum Ausdruck bringen und überraschende Ähnlichkeiten entdecken lassen. Nur wenige architektonische Projekte erfahren dabei eine vertiefte Darstellung. Interessanterweise wurden die Schwerpunkte in den beiden Städten sehr unterschiedlich gesetzt: Während die New Yorker Auswahl eher Social Community-Projekte dominieren, so konzentrierte man sich im Falle Berlins vornehmlich auf die Wohn- und Eventprojekte junger Metropolenbewohner. Doch die Ausstellung, die letzten Herbst bereits im "Center for Architecture" in New York gezeigt wurde, verträgt diese Diskrepanz. Bilder und Texte gehen bei ihr Hand in Hand, so dass ein weit verzweigtes Bild zeitgenössischen Stadtumbaus entsteht, das vor allem die Bedeutung kreativer Milieus hervorheben will. Den üblichen Hochglanzdarstellungen verweigerte man sich dabei erfolgreich. Architekturikonen finden nur am Rande eine Erwähnung in der Ausstellung, welche die Besucher noch bis zum 4. Mai sehr tief in die Realität beider Städte eintauchen lässt. Die Möglichkeit zu weiteren Dialogen bieten eine Ausstellung zu sechs jungen NY-Architekturbüros im DAZ-Glashaus sowie mehrere Symposien.
Claus Käpplinger |
Bild: flickr.com/azarael74; Album von Berlin, Berlin 1904 |  | |  | Freiheit versockeln Es konnte einem wahrlich den Atem verschlagen. Nachdem am 9. November der Bundestag beschlossen hatte, dass es in Berlin ein "Freiheits- und Einheitsdenkmal" geben solle, hat Kulturstaatsminister Neumann nun verkündet, wo das Denkmal stehen wird. Nicht genug damit, dass man nicht Leipzig die Ehre eines solchen Denkmals gönnen wollte, wie es vielleicht dem Widerstand in der damaligen DDR angemessen gewesen wäre. Das Denkmal soll dort stehen, wo bis nach dem Zweiten Weltkrieg die Reiterstatue Wilhelms I. auf einem Sockel thronte. Mit dieser symbolischen Standortentscheidung wird in einer Unverfrorenheit der Kampf für die Freiheit in ein nationalkonservatives Korsett gezwängt: Die, an die das Denkmal erinnern soll, werden damit bereits diskreditiert, bevor man weiß, wie das Denkmal aussehen wird. Scheinheilig ist es da, noch "im Interesse größtmöglicher öffentlicher Akzeptanz" einen offenen Wettbewerb auszuschreiben, an dem sich Bildende Künstler, freischaffende Kreative, Landschaftsarchitekten und Architekten aus aller Welt beteiligen sollen, und dabei "die Öffentlichkeit durch Informationsveranstaltungen einbeziehen" zu wollen. Am treffendsten hat wahrscheinlich der Schriftsteller Ingo Schulze in der Süddeutschen Zeitung vom 14. März diese traurige und rückwärts gewandte, aber angesichts von Moderne-Abriss, Kommerzialisierung des öffentlichen Raums und Rekonstruktion des Schlosses fast konsequent zu nennende Dreistigkeit kommentiert: "Ist die Versockelung nicht eine adäquate Entsprechung zu dem Wort 'ehemaliger Bürgerrechtler'? Heute wird niemand mehr in Deutschland als Bürgerrechtler bezeichnet, bestenfalls als ehemaliger Bürgerrechtler, und der gehört auf den Sockel, das ist der Beleg, dass es aus und vorbei ist mit solchen Umtrieben. In meiner Verzweiflung angesichts unserer geballten demokratischen Blödheit wollte ich mich schon bereit erklären, für die Replik des kaiserlichen Reiterstandbilds sammeln zu gehen, vielleicht würde das helfen, zum falschen Schloss das richtige Denkmal." ch
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|  | |  Die Cité Lignon bei Genf | Boom und Barock Nach dem "Prinzip Rekonstruktion" – siehe Magazin 06/2008 – beschäftigte sich die ETH Zürich Ende Februar mit den Hinterlassenschaften der so genannten Boomjahre. Überall in Europa wurde vor allem in den sechziger und siebziger Jahren in bis dahin unbekanntem Tempo und in unbekannten Dimensionen gebaut, allerdings auch fantasievoll und fortschrittsgläubig ins Utopische gedacht. Bemerkenswert ist, dass die Substanz vieler Bauwerke erstaunlich gut und für inzwischen zwei Generationen "Heimat" ist. Die differenzierende Betrachtung neuer Bautypen – wie zum Beispiel der Freizeit-, Schul-, Sport- und Gemeindezentren –, effizienter Konstruktionsweisen, die vor allem im Hochschulbau erprobt wurden, und riesiger Wohnungsbauprojekte zeigt deutlich: Es muss jeweils eine vernünftige Strategie entwickelt werden, um diese Architektur verantwortungsvoll sowohl vor nostalgischer Überbewertung wie vor ideologisch bedingter Verteufelung zu schützen. Auf dem Bild links ist die von Addor und Weisz in den Jahren 1969 bis 1973 für 10.000 Menschen gebaute Cité in Lignon bei Genf zu sehen, die heute von 6.500 Menschen vieler Nationen bewohnt wird. Das in Deutschland umstrittenste Bauwerk der Boomjahre, der Berliner Palast der Republik, lässt sich, wie die FAZ am 17. März meldete, zum Beispiel nicht so einfach entsorgen wie gedacht. Die Kosten der Demontage, die im April 2009 abgeschlossen sein soll, stiegen inzwischen von 12 auf 20 Millionen Euro und könnten sich, wie eine Senatssprecherin sagte, noch weiter erhöhen. Hermann Parzinger, der neue Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz und eine Art Bauherr des hier geplanten Humboldt-Forums, meinte, dass das Forum vielleicht erst 2015 und nicht, wie vorgesehen, 2013 fertig werde. Im November soll die Entscheidung des Wettbewerbs gefällt werden. ub |
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