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Informationen zu den Projekten aller Preisträgern an den deutschen Standorten gibt es hier: www.europan.de
Informationen zu den Ergebnissen aller Standorte in Europa: www.europan-europe.com Europan 10 wird im Januar 2009 ausgelobt. |
Nächsten Freitag dürfen die Preisträger der deutschen Europan 9- Standorte in Berlin ihre Auszeichnungen entgegennehmen. Gespannt sein darf man auf die daran anschließende Ausstellung, die zeigt, mit welchen Ideen junge Architekten städtebauliche und architektonische Herausforderungen lösen wollen. Wir stellen drei der acht Preisträger vor und sprechen mit ihnen über Hintergründe und Hoffnungen. Standort Donauwörth – "Recharging Space" Dominique Dinies, Markus Vogl, Robert Diem und Sandra Schiel sind Mitarbeiter des Büros querkraft architekten, Irina Koerdt war dort ebenfalls einige Zeit tätig. Das deutsch-österreichische Team widmete sich der Parkstadt Donauwörth – einer Großsiedlung der 1960er Jahre, für deren strukturellen und sozialen Probleme die Stadt Lösungen sucht. ![]() Die Parkstadt liegt nordöstlich des Zentrums von Donauwörth. Die Preisträger nutzten die Topografie, um eine neue zentrale Achse – den "activity spline" – zu entwickeln.Interview mit Dominique Dinies Vier Mitglieder eures Teams sind Mitarbeiter von querkraft architekten. Wie hat das Büro auf euren Erfolg bei Europan reagiert? Sie haben uns gratuliert. Ich denke schon, dass sie stolz sind auf unseren Erfolg. Tretet ihr nun in Konkurrenz zu euren Chefs? Wir sind ja alle freie Mitarbeiter und viele von uns haben nebenbei immer auch an anderen Projekten gearbeitet. Die Möglichkeit, sich nun mit dem Europan-Projekt selbständig zu machen, liegt natürlich schon in der Luft. Wir hatten auch schon erste Gespräche mit der Stadt Donauwörth, die sehr vielversprechend verlaufen sind. Bei der Parkstadt in Donauwörth handelt es sich vor allem um ein städtebauliches Projekt. Warum fiel eure Wahl auf diese Aufgabe? Bei der Entscheidung, welche Aufgabe wir bearbeiten wollen, spielten die Chancen einer Realisierung eine große Rolle. Es gibt ja viele Projekte, die bei Europan erfolgreich sind, aber dennoch nicht verwirklicht werden. Auch dieses Jahr waren viele der Aufgaben von vorneherein als reine Ideenwettbewerbe zu erkennen. In Donauwörth hingegen soll tatsächlich schon relativ bald etwas passieren. Außerdem sind zwei aus unserem Team – Markus Vogl und ich – schon allein durch unser Studium eher dem Städtebau zugetan, so dass diese Aufgabe sehr nahe lag. Der Umbau von Siedlungen der 1960er und 1970er Jahre wird in Zukunft noch an Bedeutung gewinnen. Bietet euer Projekt auch eine allgemeine Strategie für den Umgang mit solchen Großstrukturen? Das hoffen wir (lacht). Unser Projekt zeigt, dass die in solchen Siedlungen vorhandenen Freiräume noch sehr gut modellierbar sind. Im Moment bestehen sie ja meist nur aus Abstandsgrün. In unserem Entwurf haben wir diese Freiräume zum einen verdichtet, zum anderen aber auch Dinge weggenommen. Mit neuen Typen wie Reihenhäusern oder Geschosswohnungsbau haben wir zudem versucht, der Überalterung der Bewohner sowie der Monofunktionalität solcher Großstrukturen entgegenzuwirken. Standort Berlin – "Lügengebäude" Wolfgang Koelbl arbeitet als Assistent am Institut für Architektur und Entwerfen der TU Wien und ist Partner im Büro Koelbl-Radojkovic. Im Ritter Verlag erschienen bereits zwei Bücher von ihm: "Tokyo Superdichte" (2000) und "Architektur-Innereien" (2004). Mit seinem Projekt "Lügengebäude" konnte er einen Preis am Standort Berlin erringen. Links einer der Abgabepläne, rechts ein Ausschnitt mit einem der sechs Projektvorschläge von Wolfgang Koelbl für das Berliner Südkreuz, dem "Emin Park" mit angeschlossenem Windrad: "Picknick mit Heizdecke und E-Gitarre möglich. Solange der Wind weht."Interview mit Wolfgang Koelbl Ihr Beitrag "Lügengebäude" unterscheidet sich schon allein durch den Textanteil grundsätzlich von den Beiträgen anderer Preisträger. Lässt sich mit dieser alternativen Herangehensweise eine übersättigte Jury leichter überzeugen? Das will natürlich keiner so recht zugeben, aber in jeder Kreativdisziplin läuft neben den Inhalten immer auch ein existenzielles Rennen um Aufmerksamkeit. Text gilt dabei allerdings als kontraproduktiv, unter Architekten als der schlimmste Langweiler. Umso pikanter, dass ich ausgerechnet mit Text-Projekten bereits den zweiten Europan-Wettbewerb gewinne (erster Erfolg bei Europan 8, Standort Waidhofen (A), Anm. der Red.). Ich hab immer gewusst, dass ein Text schlagkräftig ist, wenn er richtig platziert wird. Ihre Vorschläge lassen einen eher lyrischen Umgang mit dem Thema erkennen. An eine direkte praktische Umsetzung der Projekte ist kaum zu denken. Kann die Stadt Berlin mit ihren Entwürfen dennoch etwas anfangen? Es gibt nichts, was man mehr vermeiden sollte, als der drängelnde Jungarchitekt zu sein, der mit überdesignten Suggestionen Aufträge erzwingen will. Meiner Erfahrung nach schreckt das seriöse Bauherrn eher ab. Bauen ist eine schwerwiegende Veränderung, die nur dann Erfolg bringt, wenn vor dem Betonieren Aufmerksamkeitsarbeit geleistet wird – und das tut dieser Entwurf sehr gründlich. Standort Rostock – "Stepscape Greenscape Waterscape" Nach einem ersten Europan-Erfolg hat sich Florian Krieger aus Darmstadt selbständig gemacht, nach dem zweiten gründete er das eigene Büro, mit dem er anschließend auch bei Europan 8 einen Erfolg verzeichnen konnte. Im aktuellen Wettbewerb gewann er nun am Standort Rostock ebenfalls den ersten Preis. ![]() Die Stadt Rostock wünschte sich nicht nur attraktive Wohnungen am Wasser, sondern auch einen touristischen Mehrwert. Florian Krieger setzte in seinem Entwurf beides um.Interview mit Florian Krieger
Sie haben vier Mal bei Europan teilgenommen und konnten vier Mal in Folge einen ersten Preis erringen... Wir haben aber nicht nur gewonnen. Man darf ja immer an zwei Standorten in verschiedenen Ländern mitmachen. In Deutschland waren wir erfolgreich, aber im Ausland hat es nie geklappt. Wie ging es nach den Erfolgen jeweils weiter? Durften Sie die Projekte auch verwirklichen? Bei unserem Projekt in Mönchengladbach – Europan 6 – war nach einer Überarbeitung relativ schnell Schluss. Bei den nächsten beiden Wettbewerben lief es besser: In Neu-Ulm dürfen wir auf der Grundlage eines Bebauungsplans, der auf unserer städtebaulichen Planung basiert, einen Wohnblock als Prototyp verwirklichen. In Gersthofen entwickeln wir im Moment ein neues Stadtgebiet bis hin zum Bebauungsplan und erstellen darüber hinaus eine Hochbaustudie zu den dort angemessenen Haustypen. Die Planung für unser aktuelles Projekt in Rostock überarbeiten wir gerade – da das Grundstück sehr attraktiv ist, möchte die Stadt hier relativ bald mit der Umsetzung beginnen. Achten Sie bei der Auswahl des Themas darauf, dass die Projekte auch realisiert werden? Europan ist ja ein Ideenwettbewerb, deshalb kann man nie genau sagen, wie groß die Chancen auf eine Realisierung sind. Auf bestimmte Anzeichen in der Aufgabenstellung achten wir aber schon. Wenn man bereits für ein Büro verantwortlich ist, kann man die wirtschaftliche Komponente bei einer Wettbewerbsteilnahme nicht vernachlässigen. Ihre Erfolge lassen kaum vermuten, dass die Realisierungsbilanz von Europan in Deutschland doch eher mager ausfällt. Es ist schon bedauerlich, dass es jungen Büros in Deutschland so schwer gemacht wird. In anderen Ländern, wie etwa den Niederlanden, sind die Investoren einfach viel mutiger. Dank unserer Europan-Erfolge werden wir inzwischen öfter zu Wettbewerben oder Gutachterverfahren eingeladen – dennoch ist es nicht leicht, bei den eingesessenen Wohnungsbaugesellschaften überhaupt nur einen Fuß in die Türe zu bekommen. Europan führt einen lobenswerten Kampf – nur leider oft mit weniger Resonanz als es angesichts der spannenden Projekte angemessen wäre. Die Interviews führte Claudia Hildner |
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