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Bilder: oben: Wilfried Dechau; unten: Heinrich Heidersberger/ artur |  | |  Oben ein Porträt von Heidersberger aus dem Jahr 1999, unten die Fotografie "Tankstelle 'Blauer See'", Hannover 1953 | Rückkehr zum Aufbruch Heinrich Heidersberger war der Fotograf der "Braunschweiger Schule". Friedrich-Wilhelm Kraemer, Dieter Oesterlen, Walter Henn – durch Heidersbergers kraftvolle, kontrastreiche Schwarzweiß-Bilder wurden sie bekannt. Heidersberger war mehr als nur ihr Dokumentarist: Er hat Edles weiter veredelt, er gab ihren Bauten eine zeitgemäße, medientaugliche Aura. Seine Fotos bedienten die bildhungrigen Architektur-Redaktionen. Einige seiner eindrucksvollsten Bilder haben die Niederungen der Architekur-Publikations-Maschinerie jedoch längst hinter sich gelassen und wurden selbst zu Ikonen, zum Beispiel die "Tankstelle Blauer See" (Bild links). Ob die von Oesterlen 1953 gebaute Tankstelle wohl noch existiert? Oder wurde sie inzwischen von einer laut bunten Neon-Orgie heutigen Zuschnitts verdrängt? Zumindest und vielleicht nur im Bild lebt sie weiter. Die Osram-Hauptverwaltung in München von 1962-65, Henns wohl bekanntestes Bauwerk, steht noch, aber im Gedächtnis bleibt es mit einem Dämmerungsfoto. Dessen Botschaft lautet: Mag es außen dunkel sein, innen ist es "hell wie der lichte Tag". Heute wäre so ein Bild quietschblau, die Foto-Ikone ist selbstverständlich schwarzweiß. Auch Kraemers Jahrhunderthalle in Hoechst (1960-63) ist noch intakt und wird genutzt. Aber vermutlich werde ich angesichts des Gebäudes enttäuscht sein, wenn es sich nicht genau so präsentiert, wie es Heidersberger einst ins Bild gesetzt hat. Mit der durch Spiegelung auf einer Wasseroberfläche dramatisch gedoppelten Schale vor dunklem Himmel mit weißen Wölkchen ist mein Studienbeginn 1966 an der TU Braunschweig fest verbunden: Sechzig Sekunden lang wurde das Bild bei der Aufnahmeprüfung an die Wand geworfen – um dann aus dem Gedächtnis nachgezeichnet zu werden. 1971, kurz vor dem Diplom, bin ich Heidersberger erstmals persönlich begegnet, als er Friedrich Wilhelm Kraemers gerade fertig gewordene Bibliothek in Braunschweig fotografierte. Ich war damals Hiwi bei Kraemer, also trug ich Heidersberger die Stative hinterher. Heidersberger und Braunschweiger Schule sind fest miteinander und zudem mit meiner eigenen Geschichte verwoben. Das mag erklären, dass ich den "anderen Heidersberger", mit seinen "Rhythmogrammen", seinen Aktfotografien, szenischen Fotos aus Wolfsburg und Produktfotos erst jetzt, in der Ausstellung im Kunstmuseum Wolfsburg, schätzen lernte.
Wilfried Dechau
26.04-21.09.2008, Wolfsburg – Ausstellung: Heidersberger. Rückkehr zum Aufbruch. Fotografien 1949-1973, Veranstalter/ Ort: Kunstmuseum Wolfsburg, Hollerplatz 1, Öffnungszeiten: Di 11-20h, Mi-So 11-18h
Statt eines Kataloges: Sehenswert ist auch der Reprint des 1963 zum 25. Geburtstag der Stadt Wolfsburg erschienene Bildband "Wolfsburg. Bilder einer jungen Stadt", Verlag Nicolai, 24,90 Euro |
Bild: flickr.com/ VirtuaTravelR-Free Tibet |  | |  | Land unter Am 6. Dezember 2025 wird sich das Meer bis zu fünf Kilometer weit nach Jakarta hinein ausbreiten. Dies geht aus einer neuen Studie der Weltbank hervor. Das genaue Datum, das Statiker und Geologen und nicht etwa Klimaexperten berechnet haben, mag zunächst verwundern. Hintergrund ist ein astronomischer Zyklus, der jeweils genau 18,6 Jahre dauert und Aussagen zur Höhe des Meeresspiegels trifft. Nach diesem Zyklus kann vorhergesagt werden, dass eben genau am 6. Dezember 2025 das Meer seinen nächsten Höchststand erreicht. Würde das Wasser heute auf das errechnete Niveau ansteigen, wären die Folgen weniger gravierend. Da jedoch in der indonesischen Hauptstadt mit ihren 13 Millionen Einwohnern derzeit überall neues Bauland ausgewiesen wird, verschwindet der einstige Grüngürtel, der sich wie ein Band um die Stadt legte, zusehends. Der sumpfige Boden, auf dem Jakarta gegründet ist, hält den neu entstehenden Baumassen nicht mehr stand und sackt jedes Jahr um mehrere Zentimeter ab – dem ansteigenden Meeresspiegel entgegen. Bis zum Jahr 2025 wird sich das Ganze auf vierzig bis sechzig Zentimeter summieren, an manchen Stellen geht es bis zu fünf Meter abwärts. Jakarta liegt aktuell acht Meter über Normalnull. Mit dieser Zahl im Hinterkopf lässt sich schnell erahnen, was das Absinken für die Stadt bedeutet. Und in Zukunft wird es dann nicht mehr nur die Slums der Armen treffen, sondern auch die Luxuswohnungen und Einkaufszentren der Reichen. sh |
|  | |  | Presseschau Wer braucht eigentlich Veröffentlichungen? Wohl eher die Architekten als die Gebäude, so ist in der neuen Ausgabe von Wonderland zu lesen. Das ist soweit keine Überraschung, aber Wonderland wollte es genauer wissen und hat per Email nachgefragt. 64 Architekturbüros aus 21 Ländern antworteten, in anschaulichen Grafiken werden die Ergebnisse dargestellt und die (vermeintlich) wichtigsten Einzelaspekte herausgehoben. Manches erinnert dabei an Statistiken aus dem Sportreport: Vergleicht man die Zahl der Architekten mit der der Fachzeitschriften, so kommen auf eine Zeitschrift 1886 Architekten, 58 Prozent der Befragten möchten international wahrgenommen werden, 8,8 Aufträge je Büro sind der PR-Arbeit zu verdanken, 13,5 Stunden werden im Monat in PR investiert – aber Vorsicht! Alle Angaben beruhen auf den Eigenangaben der Büros. Interessant wird die Ausgabe durch die Beiträge, die die Situation der Architekten auf dem Markt reflektieren. Sie machen den Wert dieser Zeitschrift aus, die es kostenlos zum download gibt. Wie das früher war, dem geht die arch+ in ihrer aktuellen Ausgabe nach: Die radikale Architektur der kleinen Zeitschriften aus den 1960er und 1970er Jahren sind das Thema ihrer aktuellen Ausgabe. Sie basiert auf einer Ausstellung, die arch+ im vergangenen Jahr zur documenta in Kassel anlässlich des Projekts "The making of Your Magazines" gezeigt hatte. Radikalitätsdefizite machen Nikolaus Kuhnert und Anh-Linh Ngo im Editorial namentlich unter deutschen Architekten aus, und fordern dazu auf, aus dem künstlichen Koma zu erwachen. Architektur und Medien sind eben mehr als Architektur und PR, wie wir nach der Lektüre des Heftes dankbar zur Kenntnis nehmen. Na, aber mindestens einen Lichtblick bietet die aktuelle Szene doch. Auf die Frage, welche Zeitschrift heute noch abseits des Mainstream bemerkenswert ist, fiele mir die dérive aus Wien ein. Was die Redaktion mit geringem Budget Nummer für Nummer auf die Beine stellt, nötigt Respekt ab. Diesmal geht es um den im Sinne von Foucault erweiterten Begriff des Regierens – "Gouvernmentalität". Ein Teil der Beiträge widmet sich der Frage, warum überhaupt der Begriff der Gouvernance in den letzten Jahren wichtig wurde, was er bezeichnet und wie er auf die Planung wirkt, andere wehren sich dagegen, etwas hinzunehmen, was nicht unvermeidlich ist und subtile Formen der Machtausübung rechtfertigt. Auch diese Nummer zeichnet sich dadurch aus, dass der Diskussionsstand nachvollzogen und durch eine Fülle von weiterer Literatur vertieft werden kann. ch |
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