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Weitere Informationen zum Thema:
Master-Studiengang "Konservierung Neuer Medien und Digitaler Information" an der Akademie der Bildenden Künste Stuttgart Nestor – Kompetenznetzwerk Langzeitarchivierung Digital Archivists, Now in Demand (New York Times, 07.02.2009) Angst vor der digitalen Amnesie (Spiegel online, 15.02.2009) |
In alten Filmen oder überzogenen Werbespots trifft man dieses Trio noch gelegentlich: Den Rapidographen-schwingenden Architekten samt Zeichenbrett und breitschultrigem Planschrank. Als nostalgische Erinnerung ist letzterer auch heute noch in so manchem Büro zu finden – die Planunterlagen werden jedoch in der Regel elektronisch verwahrt. Wer seine Daten allzu sorglos in die Schubladen des digitalen Speichers wirft, den könnte beim Öffnen allerdings irgendwann die Leere anhauchen. Der Planschrank fehlt im Arrangement, doch immerhin bieten sich in diesem computerlosen Büro "perfekte Arbeitsbedingungen bei perfekter Aussicht". (Bild: Adecco Personaldienstleistungen)Wer erinnert sich heute noch daran, dass es noch Anfang der Neunzigerjahre gang und gäbe war, Daten auf kleine schwarze Quadrate zu speichern, die sich Floppy Disks nannten und etwa im Jahr 1987 gerade mal 1,44 MB fassten? Wer heute auf so ein Relikt stößt, findet in seinem Computer noch nicht mal mehr eine Öffnung, in die es sich schieben lässt. Und wenn sich dann doch noch ein Laufwerk für die kleine Schwarze findet, so ist nicht ganz sicher, ob die Daten auch noch gelesen werden können: Die Haltbarkeit von Floppy Disks hängt sehr stark von ihrer Lagerung ab und beträgt selbst bei optimalen Bedingungen maximal dreißig Jahre. Im Vergleich zu säurefreiem Papier mit einer gesicherten Haltbarkeit von mehreren hundert Jahren hat die Floppy Disk also schon mächtig an Lebenserwartung eingebüßt. Wenn man jedoch berücksichtigt, dass zur Haltbarkeit aktuell genutzter Speichermedien oft nur Schätzungen vorliegen, so war die Floppy Disk vielleicht gar nicht so übel. Speichermedien Viele heute gebräuchliche Speichermedien bieten den Daten schier unendlich viel Platz – bei ungewisser Lebensdauer. Die Strukturen auf der Oberfläche von Datenträgern wurden im Laufe der letzten Jahrzehnte immer filigraner; die Speicherkapazität steigerte sich dadurch, aber gleichzeitig auch die Schadensanfälligkeit. So wird etwa vermutet, dass sich ein Großteil der auf billige CDs und DVDs gebrannten Daten schon vor seinem zehnten Geburtstag nicht mehr lesen lassen wird. Daneben gibt es allerdings auch Speichermedien, denen man eine relativ gute Haltbarkeit (zwischen zehn und fünfzig Jahren) zutraut: hochwertige DVD-RAMs, USB-Sticks, Flash-Karten und die in Deutschland noch weitgehend ungebräuchliche Blu-Ray-Disk. Für regelmäßige Back-Ups unverzichtbar, für die Langzeitarchivierung jedoch weniger geeignet sind einzelne externe Festplatten. Diese sind darauf ausgelegt, viele Male beschrieben und gelesen werden zu können; eine längerfristige Lagerung im Regal könnte den mechanischen Teilen der Platte hingegen schnell zu schaffen machen. Wer die Dienste eines externen Anbieters zur Langzeitarchivierung in Anspruch nimmt und seine Dateien regelmäßig dort hochlädt, hat natürlich bessere Karten, da diese Unternehmen ihre Hardware regelmäßig überprüfen und die Dateien mehrfach absichern. Wenn sich kein Laufwerk mehr findet, ist für die weitere Verwendung von Datenträgern Kreativität gefragt. (Bilder: www.etsy.com)Pflege der Daten Welches der oben genannten Speichermedien letztlich zur Archivierung genutzt wird, sei aber eigentlich egal, sagt Klaus Pollmeier, der Programmkoordinator des Master-Studiengangs "Konservierung Neuer Medien und Digitaler Information" an der Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart. Die Datenträger hielten alle lange genug, um die Zeit bis zum nächsten Technologiesprung – und damit den Wandel der Formate, Schnittstellen und Steckerverbindungen – zu überstehen. Dann müssten ohnehin alle Daten aktualisiert und auf einen neues, zeitgemäßes Trägermedium übertragen werden. Ein grundsätzliches Problem der Archivierung liegt sicher darin, dass viele Menschen den Unterschied zwischen einem schnellen Back-Up und der dauerhaften Archivierung nur in der verschieden langen Zeitspanne des Aufbewahrens sehen. Das Bewusstsein, dass es sich hier um zwei völlig unterschiedliche Prozesse handelt, konnte auf dem kurzen Weg ins digitale Zeitalter wohl nicht schnell genug wachsen. Der unter anderem von Klaus Pollmeier betreute Studiengang widmet sich diesem Versäumnis und bildet zum "Media Preservation Manager" aus. Diese Experten auf dem Gebiet der Datenpflege sind weniger für das Flicken und Wandeln von Daten zuständig, als für die Organisation der dauerhaften Archivierung; also die Frage, welche Metadaten zum Erhalt der Datei nötig sind, auf welche Art und wie oft sie abgespeichert werden muss, welche Systematik zum Wiederfinden der Informationen entwickelt werden sollte und, nicht zuletzt, wie authentisch diese immer wieder an neue Systeme angepassten Daten sind. Natürlich betrifft dieses Problem in erster Linie Archive, Museen und Bibliotheken. Doch gerade in Spezialgebieten – wie etwa Medizin oder Architektur – ist die langfristige Aufbewahrung von Daten zwar notwendig, aber alles andere als geklärt. Teppich "Playing with Tradition" von Richard Hutten. (Bild: www.richardhutten.com)Formate
Das zeigt sich schon am Bespiel der eingangs erwähnten Floppy Disk: Auch wenn Laufwerk und Speichermedium noch intakt wären, so könnte das Auslesen der Informationen immer noch an den gesicherten Daten selbst scheitern. Das native Format eines CAD-Programms etwa lässt sich oft schon mit der übernächsten Programmversion drei bis vier Jahre später nicht mehr lesen und bearbeiten. Einige CAD-Software-Firmen beschäftigen sich inzwischen verstärkt mit dem Problem der Langzeitarchivierung und arbeiten an neuen Versionen, die zum Beispiel das Speichern und Lesen von pdf/ a (einer nach ISO-Standard genormten Version des pdf) ohne Zusatztool ermöglichen. Ein Programm mit dieser Funktion wird Nemetschek mit Allplan 2009 bieten. Derart gespeicherte Dateien lassen sich dann bei entsprechender Aufbewahrung auch nach einigen Jahren noch als vektorbasierte Pläne lesen und bearbeiten – einen dauerhaften Zugang zu allen Informationen, die in der ursprünglichen CAD-Zeichnung steckten, bietet das pdf/ a jedoch nicht. Wer bei einem späteren Um-, An- oder Weiterbau des Gebäudes die Bauteile entsprechend zugewiesen wissen will, muss daher wohl dennoch alles neu zeichnen. Ein Erhalt der Semantik zwischen den Bauteilen ist momentan nur möglich, wenn das Ganze zwar in einem sich wandelnden Format abgespeichert wird, der Planer das Archiv jedoch in sehr regelmäßigen Abständen auf den neuesten Stand bringt (ein offenes Format, das sich für eine solche Archivierung besonders anbietet, ist das IFC). Auf Rechnern rund um den Globus liegen nach Schätzungen heute schon fast 1.000 Milliarden Gigabyte. Würde man diese Information auf Papier ausdrucken und über die Erdkugel verteilen, so bedeckten die entsprechenden Stapel die Oberfläche nicht nur vollständig, sondern wären auch noch knapp zwei Zentimeter hoch. Diese Tatsache lässt die Idee, dass auch einmal etwas vergessen werden könnte, dass die Menschheit oder auch nur ein Architekturbüro den Rattenschwanz redundanter Informationen nicht in alle Ewigkeit mit sich herumschleppen muss, fast sympathisch erscheinen. Doch leider sind ja nicht nur jene Daten in Gefahr, auf die leichten Herzens verzichtet werden kann. hi |
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