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Universität Kassel - Campus Nord
1. Stufe: Begrenzt offener, städtebaulicher Ideenwettbewerb 2. Stufe: Realisierungswettbewerb im kooperativen Verfahren Jury Prof. Manfred Hegger Porf. Zvonko Turkali Prof. Dr. Michael Koch Prof. Kirsten Schemel Prof. Christa Reicher Prof. Undine Giseke 1.Preis raumzeit Architekten Berlin 2. Preis augustinundfrankarchitekten Berlin 3. Preis Ferdinand Heide Architekt Frankfurt am Main 4 Preis Gerber Architekten Dortmund/Hamburg 5. Preis Architektenkontor Agather Scheel Hamburg |
Bildungslandschaft raumzeit gewinnt den Wettbewerb um den Campus Nord der Universität Kassel. Friedrich Tuczek stellt sich unseren Fragen zum Wettbewerb. Schwarzplan, Erschließung, FreiräumeWie haben Sie die Wettbewerbsaufgabe interpretiert? Da der Wettbewerb Städtebau und Hochbau gleichermaßen umfasste, ging es uns um das Entwickeln einer Matrix, die über verschiedene Maßstabsebenen hinweg funktioniert. Diese Matrix musste mehrere Forderungen erfüllen: Sie sollte die recht verstreut und winklig zueinander gelegenen Altbauten schlüssig integrieren. Sie sollte die westlich angrenzenden Blockstrukturen arrondieren. Sie musste Verbindungen aus dem Gebiet zum Park entlang des Flüsschens Ahna erlauben und mit dem Südcampus zusammen funktionieren. Wir haben unseren Entwurf unter das Motto der "Bildungslandschaft" gestellt. Das Landschaftliche ist in der Tat ein wichtiges Thema an dem Standort; es gibt Plateaus auf verschiedenen Höhen und einen Grünzug entlang des Flusslaufs. Gleichzeitig geht es aber auch darum, den neuen Teil des Campus in ein Verhältnis mit dem westlich angrenzenden Stadtquartier zu bringen. Die Lage zwischen Stadt und Park ist also maßgeblich für die städtebauliche Konzeption: Im Westen des Grundstücks werden die Blöcke arrondiert; im Zentrum spannt sich eine Erschließungsachse auf, die an den Südcampus anknüpft; östlich davon liegen Naturwissenschaften und Science Park als Kette von polygonalen Solitären, die gegenüber dem Park durchlässig ist. Welches stadträumliche Thema war Ihnen besonders wichtig? Wir haben besonderen Wert auf eine differenzierte Außenraumbildung gelegt: Auf spannungsreiche Abfolgen verschieden dimensionierter städtischer und landschaftlicher Räume. Es gibt großzügige Plätze und breite Promenaden, aber auch enger gefasste Räume, und das auf einem ansteigenden Terrain. Es bilden sich stadträumliche Blickbezüge heraus, die auch entfernte Punkte miteinander verbinden, und Kontrastwirkungen, die prägnante Außenräume entstehen lassen. Beides erleichtert die Orientierung auf dem Campus. Wir verstehen den Entwurf als nachhaltigen Städtebau, der auf einer innerstädtischen Konversionsfläche bauliche Dichte, kurze Wege und eine hohe Außenraumqualität schafft. Im Sinne einer Kohärenz zwischen Städtebau und Hochbau ist das Verweben der äußeren und der inneren Erschließung besonders wichtig. Dies zeigt sich z.B. am Hörsaalzentrum, das als Zentrum des gesamten Campus fungiert und den Link zwischen Nord- und Südcampus darstellt. Das Erdgeschoss des Hörsaalgebäudes ist Teil des urbanen Wegesystems. Die Art, wie die Hörsäle von Erschließung "umspült" werden, entspricht dem Muster, das im städtebaulichen Entwurf angelegt ist. Blick nach Norden entlang der ErschließungsachseWie haben Sie die Weg- und Platzräume organisiert? Die Erschließungsachse, die vom Südcampus aus nach Norden geführt wird, erhält einen deutlichen Anfangs- und Endpunkt. Bewegt man sich Richtung Norden, so verengt sich der Raum zwischen den Gebäuden zunehmend, während der Höhenunterschied über Rampen und Treppen überwunden wird. Mit der schmalen Front des neuen ASL-Gebäudes bietet sich ein Fluchtpunkt einer durchaus szenographisch angelegten Perspektive. Bewegt man sich in Gegenrichtung, dann bietet die breite Front des Höraalgebäudes eine südliche Platzwand, an der sich die internen Funktionen des Gebäudes abzeichnen. Schräg zur Hauptachse gibt es eine weitere, etwas schwächere, die auch vom Südcampus ausgeht und mit der Hauptachse zusammen ein X bildet. Hinzu kommen die Gassen, die zwischen den einzelnen polygonalen Bauten hindurch ins Grüne führen. Zusammen mit den Hofbereichen der einzelnen Gebäude oder Gebäudegruppen bildet sich so eine sorgfältig gestaffelte Sequenz von Außenräumen heraus. Zum Beispiel bekommt der Fachbereich ASL einen öffentlicheren Hofbereich zwischen Neubau und den Bestandsbauten, während ein stärker abgeschiedener Bereich zwischen der Produktionshalle und dem Werkstattgebäude entsteht. In den Blöcken der Naturwissenschaften entstehen Hofbereiche, die über Einschnitte mit dem Park in Verbindung stehen. Detail-Schnitt und -AnsichtWelche Besonderheiten hinsichtlich Konstruktion, Material und Energie-Effizienz zeichnen Ihren Vorschlag aus? Die Fassaden der Neubauten sollen im Sinne eines Reliefs entwickelt werden. Dabei zeichnen sich die Geschossdecken und zum Teil auch Stützen und Innenwände an der Fassade als Vorsprünge ab. Die vorspringenden Geschossdecken integrieren dabei den außenliegenden Sonnenschutz. Die Verwendung von Werksteinelementen versieht die Gebäude mit einer physischen Präsenz, die in der Nachbarschaft der backsteinernen Industriegebäude angemessen erscheint. Die Brüstungselemente, mit farbig emailliertem Glas verkleidet, schließen sich optisch mit den Verglasungen zusammen, sodass der Eindruck geschosshoher Elemente entsteht. Durch die Festlegung eines tonalen Spektrums in der Farbigkeit der Fassadenmaterialien sollen sich Bestandsbauten und die Neubauten aus verschiedenen Bauabschnitten zu einer einheitlichen Gestalt verbinden. Im Sinne eines nachhaltigen Campus haben wir zudem Konzepte entwickelt, wie der Primärenergieverbrauch optimiert werden kann: Hoher Tageslichtanteil, Nachtkühlung, Wärmerückgewinnung, Bauteilaktivierung. Sind Sie von den Vorgaben der Auslobung abgewichen, und wenn ja, warum? Wir sind fast überall sehr nahe an der Auslobung geblieben. Nur an einer Stelle sind wir abgewichen: Wir haben den Science Park, der den nördlichen Abschluss der Bebauung am Park bildet, in drei statt zwei Module aufgeteilt. So ergibt sich in der Kette der Solitärbauten an der Parkkante eine Größenzunahme von Norden nach Süden. Außerdem weitet sich der Park in Richtung des bereits bestehenden Nordstadtparks. Hörsaalzentrum von NordenDas eMail-Interview führte Peter Petz |
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