|
Personen, Preise, Pointen |
|  | |  Mit Schippchen und Eimerchen lässt sich eine mehrspurige Brücke nicht bauen: Der Eingriff in die Elbauenlandschaft ist rabiat, hier am Baubeginn 2008. | Brücken in die Sackgassen Es ließe sich die Chronik eines angekündigten Endes schreiben: Dresden und Sachsen war der Titel des Welterbes der Kultur völlig egal, denn dass die jüngste Entscheidung der Unesco den Verlust des Titels zeitigen würde, zeichnete sich seit langem ab. Mit dieser Gleichgültigkeit ist der Welterbetitel sicher nicht entwertet, denn die Dresdener Mischung aus Ignoranz, G'schachtelhuberei, Dickköpfigkeit und Dummheit schadet der Stadt und vielen anderen, aber nicht dem Anspruch der Unesco. Das ganze Verfahren offenbart allerdings auch eine Neubewertung des Bautyps Brücke. Sie, die Brücke, kann ästhetisch oder konstruktiv noch so anspruchsvoll sein: Verkehrslärm und -dreck sind die eigentlichen Probleme, die sich auf einem Verkehrsweg am "Bauwerk Brücke" konzentrieren und generell ungelöst sind. Der Tunnelvorschlag kann ebenfalls nicht darüber hinweg täuschen, dass an den Zufahrten die Verkehrsplaner ihre Schlachten schlagen müssen und Quartiere von heute auf morgen unbewohnbar werden. Die Priorität der autogerechten Stadt und des Pendants autogerechte Landschaft kennzeichnen ein Modell der Vergangenheit. Die Verwüstungen, mit denen der Verkehr die Innenstädte und Landschaften erobert und zugleich die Menschen daraus vertreibt, scheinen immer noch nicht als Fehler in unserer Baukultur begriffen zu sein. Im Rheintal scheint sich das Drama zu wiederholen. Gerade hier böte sich die Chance, auf langfristig angelegte, alternative Verkehrskonzepte zu setzen – und diese erst einmal zu entwickeln und pionierhaft in die Praxis umzusetzen. Einfallsreichtum ist gefragt – und kein Pragmatismus, der unseren Wirtschaftswachstumsideologien und kurzen Wahlperioden geschuldet ist. Der Bautypus Brücke ist fester Bestandteil auch einer neuen, Menschen und Landschaft schonenden Mobilität – und darf völlig neu konzipiert werden: Im Zusammenhang mit einer Mobilität, die Menschenverträglichkeit nicht via Wirtschaftlichkeit definiert, auch nicht via Romantik. Die ist im Rheintal längst Opfer einer mediokren Architektur und Bahngleisdominanz geworden. Lauschig ist das Rheintal schon lange nicht mehr. Eine traditionelle Autobrücke als Zeichen traditioneller Mobilität zementiert das Rheintal als Durchgangs- und nicht als Aufenthaltsort. Bis auf weiteres geht beides nicht zusammen. ub |
Bild: Ivan Nemec (oben), Augustin Fischer (unten) |  | |  Oben das Stift Altenburg (2007) und unten das Modell der Generali Foundation | Modelle als Strategie und Kult Mit fünfzig gilt man in Architektenkreisen ja fast noch als jung, Christian Jabornegg und András Pálffi, Jahrgang 1956 und 1954, wähnen wir in der Blüte ihrer Jahre. Die beiden Architekten gründeten 1988 ein gemeinsames Büro in Wien, Bauen im Bestand, wie die Werkausstellung im Münchner Architekturmuseum betitelt ist, bildet von Anfang an ihren Arbeitsschwerpunkt. International bekannt wurden sie mit dem Museum am Judenplatz, das aus einem Mahnmal, einem in den Untergeschossen umgebauten Wohnhaus und der Ausgrabungsstätte der 1421 zerstörten Synagoge unter dem Mahnmal besteht und mit einer dichten Atmosphäre im Stadtraum präsent ist. Der Umbau von Stift Altenburg, das Schlosshotel Velden, der Umbau einer Hutfabrik für die Generali Kunst-Foundation und andere Umbauten bezeugen, dass die Architekten sich vorbildlich mit einem Ort und seiner Geschichte auseinandersetzen, ohne dass man von einem angepassten Bauen sprechen möchte. Hierzulande kennt man die beiden Architekten auch mit dem Umbau des Südflügels des Kasseler Bahnhofs für die Documenta X. In München werden nun allem voran die exquisiten Modelle gezeigt – Modelle spielen für Jabornegg & Pàlffi eine herausragende Rolle. Alle Modelle sind aus Holz (Bestand) und Metall (Um- und Zubau) gebaut, um die Konzepte der Architekten zu (er-)klären. Messerscharf sind Alt und Neu voneinander getrennt, sie werden aber nicht kontrastreich gegeneinander ausgespielt. Genauer: Vierzehn Bauten werden bis zum 27. September mit dreißig großen, "didaktisch aufbereiteten" Modellen und einer Bildershow präsentiert. Der 276 Seiten dicke Katalog kostet in der Ausstellung 39, im Buchhandel 42 Euro. Am Donnerstag, den 9. Juli stellen Jabornegg & Pálffi ihre Arbeiten in der Pinakothek der Moderne selber vor, am 17. September trägt Friedrich Achleitner ebenda vor, wie er ihre Architektur interpretiert. ub |
|  | |  Die letzten NZZ-Architekturbeilagen? | Nachruf auf eine Institution Neidisch schauen die Architekturkritiker aller Tageszeitungen auf die Neue Zürcher Zeitung und den breiten Raum, den sie ihrer Architekturberichterstattung seit jeher gab. Anfang der 1950er-Jahre begründete ein junger Kunstkritiker namens Adolf Max Vogt diese Tradition, besprach ganzseitig und mit eigenen Schemaskizzen Wettbewerbsergebnisse. Mit der Einstellung der regelmäßigen Architekturbeilage der NZZ ist diese Tradition, wenn nicht gestorben, so doch erheblich geschwächt. Unter dem Titel "Planen Bauen Wohnen" präsentierte die Zeitung ihren Lesern seit Dezember 1986 jeweils am ersten Freitag eines Monats eine mehrseitige Beilage mit fachlich meist hochstehenden Beiträgen rund um die Architektur (Der internationalen Ausgabe lag sie am darauffolgenden Montag bei). Ab Dezember 2004 erschien die Beilage unter dem Titel "Architektur Design", zunächst unverändert monatlich, ab Mai 2007 vierteljährlich und weiterhin unter der redaktionellen Verantwortung von Roman Hollenstein, dem Architekturredakteur des Feuilleton. Wie dieser nun in der Beilage vom 12. Juni mitteilte, wird der Architekturbund "aufgrund der gegenwärtigen Wirtschaftslage und des Inseraterückgangs" ab sofort eingestellt. Die Chefredaktion verspreche jedoch, so Hollenstein auf Anfrage, eine "gewisse Kompensation" des Verlusts im Feuilleton. Wer seinem Unmut Luft machen möchte, schreibe ein E-Mail an die Redaktion der NZZ (los geht's). Axel Simon |
|  | |  | Film der Woche My Playground heißt ein Film, der im Sommer 2009 Premiere haben soll. Im Dok-Film geht es um die Fun-Sportart Parkour, also um junge Menschen, die sich springend durch die Welt bewegen. Das Bemerkenswerte: Die im Film gezeigte Architektur entspricht genau dieser Lebensart! Auf die angekündigten Statements von Stadtplanern, Architekten, Politikern und Philosophen darf man gespannt sein. Hier geht's zum Trailer bei architekturclips.de. |
|
|