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Personen, Preise, Pointen |
Bilder: JSWD Architekten (Köln) und Chaix & Morel et associées (Paris) |  | |  Überarbeiteter Entwurf für den Neubau des Schauspielhauses. | Inhalt vor Fassade Erst wird ein Wettbewerb ausgeschrieben, dann merkt man, dass das Geld nicht reicht. Dann speckt man ab, um wenigstens einigermaßen im Kostenrahmen zu bleiben. Manchmal bleibt vom ursprünglichen Entwurf so wenig übrig, dass man den Wettbewerb wieder in Frage stellen kann. So weit sieht es eine Initiative in Köln beim dortigen Schauspielhaus-Projekt gekommen. Und möchte nun, dass wieder diskutiert wird. Denn der endgültige Baubeschluss ist nicht gefallen, auch wenn der Rat der Stadt vor Weihnachten mit knapper Mehrheit der anwesenden Mitglieder für eine nun gegenüber dem ursprünglichen Entwurf deutlich reduzierte Neubau-Variante gestimmt hatte. (Kölnarchitektur.de berichtet detailliert über den bisherigen Verlauf und die noch vielen offenen Fragen). Dem Votum des Rats widersetzen sich nun die Initiatoren des Aufrufs "Mut zur Kultur – Inhalt vor Fassade". Nun sei der Neubau nicht mehr nötig, nun müsse wieder in Betracht gezogen werden, den Bestand, den die Stadt zudem habe verwahrlosen lassen, zu sanieren. Die vom Abriss bedrohte Architektur Riphahns, ein bedeutendes Erbe der 50er Jahre-Moderne, gelte es zu respektieren. Auch die Schauspiel-Intendantin Karin Beier sieht angesichts massiver Kürzungen im Kulturetat einen Neubau nicht mehr legitimiert; dieser Meinung schließt sich "Mut zur Lücke" an und fordert "Konzentration auf die Inhalte des kulturellen Schaffens und Abkehr von der Verpackung durch glänzende Fassaden, hinter denen mangels Geldes die eigentlichen Kulturprogramme zusammengekürzt werden." Ein Konflikt mit Ansage: Bereits nach der Wettbewerbsentscheidung im Sommer 2008 hatte Edgar Haupt geunkt, dass die umfangreichen Nachbesserungswünsche, die dem Sieger mit auf den Weg gegeben wurden, die idealen Voraussetzungen für eine "lokaltypische Kultur der Interessenswahrung" böten. Diese Voraussetzungen sind nach wie vor gegeben. Aber eben auch die für den “Mut zur Kultur”, wie sie die Unterzeichner fordern: für "eine anspruchsvolle Sanierungslösung, die finanziellen Spielraum für eine anspruchsvolle Theaterarbeit lässt". ch |
|  | |  | Hochhausrekorde "Gazprom City" sollte das Prestige-Projekt in St. Petersburg heißen, das im Zwickel der Newa und der Ochta mit einem 400 Meter hohen Turm die Silhouette der traditionsreichen Stadt dominieren und den Hauptsitz des Konzerns aus Moskau abziehen würde (Bild oben, RMJM Architects). Baugesetze zu ändern, Genehmigungen zu sichern – all das schien kein Problem für die Initiatoren, die sich der Protektion Wladimir Putins sicher sein durften. Zum Problem mauserte sich der Widerstand gegen Gazprom; auch nach der Umbenennung des Projektes in "Ochta-Zentrum" ebbte er nicht ab. Obendrein zieht sich – kapitalismuskrisengeschüttelt – jetzt die Petersburger Regierung aus dem Projekt zurück, wodurch ein Bürgerbegehren gegen den Gazprom-Turm wahrscheinlicher wird. Womöglich bleibt St. Petersburg ein Loch ohne Boden erspart, zu dem die meisten Großprojekte der Gegenwart – als Umkehrung des Größenwahns – zu mutieren drohen. Machte die faktische Pleite des Scheichtums Dubai, in dem das Geld nie auszugehen schien, in den letzten Wochen Schlagzeilen, wurde gestern der derzeit weltweit höchste Turm ebenda mit einer Höhe von etwa 820 Metern bis zum obersten Spitzchen eröffnet (Baustellenbild von 2008, David Hopcote). Zum Vergleich für Alteuropäer: Der Burj Dubai ist etwa fünf Mal so hoch wie der Kölner Dom. Längst sind die Rekordhöhen von Prestigetürmen als deutliche Indizien für den Niedergang einer Wirtschaftskraft bekannt. So könnte man es als gutes Zeichen werten, dass in einem Gutachterverfahren für das Ensemble der beiden Frankfurter Hochhausprojekte "WinX" und "MainTor Panorama" auf dem ehemaligen Degussa-Gelände die Gebäudehöhen keine Rekorde versprechen (Bilder: Architekten). Die vier Bildchen unten im Uhrzeigersinn zeigen die Entwürfe von Dudler Happ Architects für das MainTor Panorama, von KSP für WinX, darunter die Entwürfe von Christoph Mäckler für MainTor Panorama und WinX – diese Entwürfe sind zur Überarbeitung für die letzte Runde empfohlen. Nachdenklich stimmt allerdings, dass diese Frankfurter Projekte als einfallslose, tumbe Klötze daherkommen, bar jedes geistreichen Witzes, jeglicher Eleganz. Zwar sind Leed-, Green Building Gold- und DGNB-Zertifizierung angepeilt, aber diese quantifizierbaren, technischen "Briefe" sprechen nicht für gestalterische "Siegel". Typische Stichworte aus dem Juryprotokoll: "Flächenproduktivität", "Nutzungseffizienz". Juryvorsitzender war Johann Eisele aus Darmstadt. Mitte Februar wird die letzte Runde entschieden – und last but not least über die Höhen: WinX soll etwa 100 Meter hoch werden, MainTor Panorama 64 Meter. ub |
Bild: Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Roland Rossner |  | |  Haus Muche-Schlemmer nach der Wiederherstellung, 2009, Gartenseite | Meinungsbildung mit Sachverstand Weil die Denkmalpflege einen schweren Stand hat, haben wir im letzten Jahr eine intensivere Auseinandersetzung zwischen Architektur und Denkmalpflege angeregt. Dass auch die Denkmalpflege selbst ein Feld intensiver Debatten ist, konnte dabei nur am Rande gestreift werden. Sie war es immer – das lässt sich nun auch im Internet verfolgen. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz hat ihren Internetauftritt um Denkmal-Debatten erweitert. In der neuen Rubrik können paradigmatische Kontroversen nachvollzogen werden, die zugehörigen Protagonisten werden vorgestellt – und es wird darauf verwiesen, dass die Debatte zur Meinungsbildung und zum Wesen einer gesellschaftlich wichtigen Sache wie der des Denkmalschutzes gehört. Eine wohltuend ruhig, sachlich und übersichtlich gegliederte Seite, die deutlich zeigt, wie tief in der Geschichte heutige Diskussionen um die Geschichte verwurzelt sind. Ergänzende Literaturlisten und weiterführende pdf-Dokumente können auch den, der sich weiter in die Thematik vertiefen will, zufrieden stellen. Das Heidelberger Schloss etwa – "konservieren oder restaurieren" war hier die Frage – wird als eines der wichtigsten Streitobjekte vorgestellt, hier standen sich Anfang des 20. Jahrhunderts die teilweise bis heute vertretenen Positionen innerhalb der Zunft als prinzipielle gegenüber, einer Zunft, die damit begann, sich auch öffentlich als wissenschaftliche zu profilieren. Aktuelle Beispiele fehlen gleichwohl nicht, auch die Diskussion um die Meisterhäuser in Dessau und das Metropoltheater in Bonn sind dokumentiert. Unter der Rubrik "Engagement" sind auch "Altstadtfreunde" verzeichnet. Interessant ist es auch hier zu erfahren, dass auch sie keine neue Gruppierung sind. Welches Wesen oder Unwesen sie heute treiben, wird in einer deutlichen Formulierung kommentiert: "Im Laufe ihrer weiteren Entwicklung haben sich einige der Altstadtvereine allerdings der Wiedergewinnung von verlorengegangenen Stadtbildern verschrieben – ein Anliegen, das mit den konservatorischen Zielen des Denkmalschutzes nicht übereinfällt." Eine Weiterentwicklung der Debattenseite gerade zu aktuellen Diskussionen ist folgerichtig und bereits angekündigt. Wir sind dafür jetzt schon dankbar. ch |
|  | |  | Film der Woche Gotland will zur saubersten Insel der Welt werden. Dazu stellt das einstige Wikinger-Handelszentrum seine Versorgung bis 2025 komplett auf erneuerbare Energiequellen um. Die Bewohner setzen auf Windkraft, Biogas und Solarzellen. Hier geht's zum Video der Frankfurter Rundschau. |
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