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Deutsche Sporthochschule Köln
Begrenzt offener Wettbewerb mit Bewerbungsverfahren Jury Prof. Carl Fingerhuth, Vors. Prof. Fritz Auer Prof. Peter Kulka Prof. Johannes Schilling Ludwig Wappner Prof. Ruth Berktold Prof. Dr. Michael Schmidt Ferdinand Tiggemann Dr. Martin Brans Prof. Dr. Walter Tokarski Dr. Johannes Horst Joachim Koch Heinz Krommen Anne Luise Müller 1. Preis kadawittfeldarchitektur Aachen 2. Preis Dinse Feest Zurl Architekten Hamburg 3. Preis Behnisch Architekten Stuttgart |
Form follows Context kadawittfeldarchitektur gewinnen den Wettbewerb um die Deutsche Sporthochschule Köln. Kilian Kada stellt sich unseren Fragen zum Wettbewerb. Modell von Süd-West (Foto: FSW Düsseldorf GmbH)Wie habt Ihr die Wettbewerbsaufgabe interpretiert? Die deutsche Sporthochschule Köln wurde 1947 gegründet und ist die einzige Sportuni Deutschlands, europaweit die einzige ihrer Art und die größte Sportuniversität weltweit. Im Moment sind 5600 Studenten eingeschrieben, die sich nicht nur sportpraktischen Aspekten widmen, sondern auch ein integratives und interdisziplinäres Verständnis der Sportwissenschaften erwerben. "Sport wird nicht nur als Sport betrachtet, sondern als Bewegungswissenschaft im weitesten Sinne", lautet ein Zitat aus dem Auslobungstext. So war es unsere Aufgabe, den Campus der Universität durch ein naturwissenschaftlich und medizinisch ausgestattetes Laborgebäude mit unterschiedlichen Instituten zu ergänzen. Natürlich denkt man bei einem Entwurf eines Hauses für eine Sportuni unweigerlich an das "Schneller- höher- weiter", an durchtrainierte Körper, dynamische Bewegungsabläufe, eine gewisse Schwerelosigkeit oder an die Arbeit des Fotopioniers Eadweard Muybridge. Der hatte um 1870 schon mit Hilfe der Serienfotografie beispielsweise die exakte Beinstellung eines trabenden Pferdes dokumentiert. Diese Dynamik will man natürlich mit dem Erscheinungsbild des Gebäudes transportieren, obwohl diese Phänomene ja eigentlich erstmal inhaltlich im Widerspruch zu einem Laborkomplex, in dem man ja die meiste Zeit im Sitzen verbringt, stehen. Auf jeden Fall aber war für uns klar, dass die Sportuniversität Köln ein zeichenhaftes, Dynamik vermittelndes Gebäude erhalten muss, das ihrer Position als weltweit führende Einrichtung gerecht wird. Glücklicherweise ist es uns gelungen, über erste Bild-Assoziationen zum Thema hinaus, in städtebaulicher, Gebäude- organisatorischer und technischer Hinsicht ein unprätentiöses Statement in diese Richtung zu formulieren. Blick von SüdwestWelches architektonische Thema war Euch besonders wichtig? Grundsätzlich widmen wir uns jedem "Architektur- Thema" mit gleicher Begeisterung. Bei dieser Arbeit stand sicher die "Verzahnung" des Gebäudes mit der Umgebung, bzw. die Einbettung des Baukörpers in den Campus- Kontext im Vordergrund. Der Campus selbst erscheint als großzügige Parkanlage. Auch auf unserem Grundstück herrscht im Moment eine räumlich angenehme Situation unter dem Blätterdach der umgebenden Bäume. Unser Ziel ist nun, trotz der engen Vorgaben einen Teil dieser Qualitäten des Ortes zu bewahren und weiter zu tragen. Im Norden des Grundstücks steht bekanntlich der Studentenwohnturm als vertikales Element. Unser Gebäude bildet den horizontalen Schweif oder Annex des Turmes Richtung Süden. Im Osten befinden sich eine schützenswerte, historische Wallanlage und das Radstadion. In Anlehnung an die Geometrie dieser beiden Elemente folgt die untere Hälfte unseres Riegels. Im letzten Drittel der Südkurve des Stadions. Die obere Hälfte des Gebäudes streckt sich hingegen parallel zur westlichen Grundstücksgrenze. Somit öffnet sich unter dieser Auskragung eine gedeckte Piazza, die den Besucher an den Aufenthalt unter einer Baumkrone erinnert, den Haupteingang markiert und in Zukunft als zentraler Ort der Kommunikation am Campus angenommen wird. Die Fassade spielt natürlich auch eine entscheidende Rolle. Wichtig dabei ist uns, dass sie die Umgebung und das satte Grün der Bäume reflektiert und dennoch räumliche Tiefe suggeriert. Natürlich sollen die vertikalen Lamellen auch die Bewegung und den Schwung der Fassade unterstreichen. Die Bewegungsabläufe vorbeieilender Studenten könnten durch die rhythmisch angeordneten Lamellen widergespiegelt werden und den Betrachter an den Blick in ein Stroboskop oder an Muybridges Serienfotos erinnern. Blick von NordenWelche Nutzungen sind im Gebäude vorgesehen? Den Löwenanteil nehmen Labore ein, es wird noch Büro- und Institutsübergreifende Nutzungen sowie Schulungsräumlichkeiten und eine Tiefgarage geben. Schnitte Erdgeschoss 3. Obergeschoss o., 1./4. Obergeschoss m., UG/2. Obergeschoss u.Wie geht Ihr Konstruktion und Technische Gebäudeausrüstung an? Das Gebäude ist als ökonomischer Stahlbetonskelettbau mit Flachdecken und Stahlbetonstützen konzipiert. Der vertikale Lastabtrag erfolgt mittels Stahlbetondecken, die auf 3 Wandscheiben, bzw. Stützenreihen in Längsrichtung des Gebäudes aufgelagert sind. Im auskragenden Bereich in den oberen 2 Geschossen sind zur Gewichtsreduktion Spannbetonhohldielen vorgesehen. Diese sind auf Stahlträgern in Form einer Fachwerkkonstruktion aufgelagert. Durch die geschickte Aktivierung der Seitenwände der Haupterschließung als Wandträger können die Lasten aus den Fachwerkträgern auf einfache Weise in die Geschosse abgeleitet werden. Auf diese Weise kann der statische Aufwand für die Auskragung vergleichsweise gering bezeichnet werden. Die Aussteifung des Gebäudes erfolgt über Wandscheiben und Erschließungskerne, sowie über einen steifen Kellerkasten. Abhängig von den Bodenverhältnissen, wird das Gebäude auf Streifenfundamente und/oder Pfählen gegründet. Im Rahmen der technischen Ausgestaltung des Gebäudes wird besonderer Wert auf Energieeffizienz und Schonung der natürlichen Ressourcen gelegt, sowie den minimalen Einsatz von Technik. Detail, TragwerkIm Rahmen der technischen Ausgestaltung des Gebäudes wird besonderer Wert auf Energieeffizienz und Schonung der natürlichen Ressourcen gelegt, sowie den minimalen Einsatz von Technik. Mit den bei diesem Gebäude eingeführten Maßnahmen wird der Referenzwert des Primärenergiebedarfs der ab 2009 gültigen EnEV (Energieeinsparverordnung) um 30% unterschritten. Das hohe Maß an Energieeffizienz kommt dabei nicht nur der Umwelt zu Gute, sondern minimiert auch die laufen Kosten für den Betrieb der Hochschule. Die außen liegenden Sonnenschutzanlagen mit Tageslichtlenkung gewährleisten einen hocheffizienten Schutz vor Solarstrahlung und dabei gute Belichtung mit Tageslicht. Die Lamellen werden seitlich in Schienen geführt und sind extrem windstabil (bis ca. 20m/s). Die Bürobereiche werden ausschließlich natürlich gelüftet. Die Anordnung der Räume und Öffnungsflächen wird dabei für eine optimale Durchströmung mit Außenluft optimiert. Eine Nachtauskühlung im Sommer erfolgt über eine natürliche Lüftung über die Fensteröffnungsflügel der Fassade. Für zusätzliche Wärme und Kälte wird Geothermie verwendet, so dass im Sommer die Erdkälte direkt für den Betrieb der optionalen Bauteilaktivierung genutzt werden kann. Optional kann auch eine Wärmepumpe zur Beheizung von Teilen des Gebäudes für die Regeneration genutzt werden. Auf dem Dach der Sporthochschule sind eine solarthermische Anlage zur Erzeugung des Warmwassers für die Labore sowie zur Heizungsunterstützung und eine Photovoltaikanlage installiert, wobei die maximal mögliche Dachfläche ausgenutzt wird. Der Anteil der regenerativ erzeugten Wärme beträgt 18 %, der Anteil der regenerativ erzeugten Energie insgesamt 23 %. EnergieverteilungGibt es schon einen geplanten Fertigstellungstermin? Voraussichtlich Ende 2012. HalleDas eMail-Interview führte Peter Petz |
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