|
Personen, Preise, Pointen |
Bilder: Sammlung Sergei Tchoban, Berlin |  | |  Architekturfanatsie von Ferdinando Galli Bibiena (oben), versunkene Stadt von Sergei Tchoban (unten) | Retter der handgemachten Architekturzeichnung Es ist sicher ein Rückzugsgefecht, aber ein ehrenwertes, die analogen Künste gegen die digitalen Anfechtungen zu verteidigen und vor dem Aussterben zu bewahren. Zu den besonders gefährdeten Genres zählt die Architekturzeichnung, noch vor einer Generation substanzieller Bestandteil der Architektenausbildung, heute "Orchideenfach" an den Hochschulen. Die Architekturzeichnung ist zum Kunstgegenstand mit Anschauungs- (und Handels-)wert geworden. Einer der Architekten, die die hohe Schule der Zeichenkunst noch von Grund auf beherrschen, ist der 1962 in Leningrad geborene Sergei Tchoban. An der Petersburger Kunstakademie erlernte er den Umgang mit Stift und Nadel, mit Kohle, Rötel und Aquarell nach alter Schule. Auf seinen Reisen entstehen Reiseskizzen, aber auch Studien über Archetypen und Fantasien über die tags gesehenen Motive. Tchoban ist selbstbewusst genug, seine Arbeiten in die Nähe der großen Zeichner vergangener Jahrhunderte zu rücken, was durchaus wörtlich zu verstehen ist. Das Deutsche Architekturmuseum zeigt derzeit "Architekturwelten", Zeichnungen von Tchoban im Dialog mit Werken aus der Sammlung Tchoban. Denn der als Partner im Büro nps tchoban voss im In- und Ausland erfolgreiche Architekt begann auch zu sammeln, er bemüht sich um Nachlässe, verfolgt Auktionen in aller Herren Länder und wurde zum Kenner mit kunsthistorischem Detailwissen. Die präsenten Namen sind beeindruckend, Ferdinando Galli Bibiena ist zu nennen, Filippo Juvara, dann Giovanni Paolo Panini und natürlich unverzichtbar Giovanni Battista Piranesi. Das 17. und das 18. Jahrhundert sind ein Schwerpunkt in der Sammlung, die Vedute jener Zeit das adäquate Pendant zu seiner eigenen Arbeit. Diesen fesselnden Dialog verfolgt die Frankfurter Ausstellung, die von Eva-Maria Barkhofen, der Leiterin des Baukunstarchivs der Akademie der Künste in Berlin kuratiert wurde. Falk Jaeger
Deutsches Architekturmuseum Frankfurt am Main, Schaumainkai 43, bis 14. März 2010. Der Katalog im Jovis Verlag kostet 29,80 Euro. |
|  | |  | DGNB stellt neue Zertifikats-Marke vor So richtig laut und deutlich wagte es offenbar niemand zu sagen, aber die traute Zusammenarbeit zwischen der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) und dem Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) ist längst zerrüttet. In der gescheiterten Beziehung wollte und will nun keiner der Ex-Partner dem Anderen mit übler Nachrede schaden, weshalb das Aus dieser Zweckbeziehung so irgendwie nebenbei kommuniziert beziehungsweise eben nicht kommuniziert wurde. Nach internen Querelen über künftige Ziele, Mitbestimmungsrechte und Finanzierungsfragen sah man es als beste Lösung an, künftig getrennte Wege zu gehen. Was bedeutet, dass das Ministerium von nun an alle Zertifizierungssysteme für das nachhaltige Bauen, die den hohen Qualitätsstandards der Bundesregierung entsprechen, als solche anerkennt, wobei künftig nicht mehr einheitlich das stilisierte (Eichen-?)Blatt in Gold, Silber oder Bronze den erreichten Standard dokumentiert. Künftig bleibt es vielmehr den Zertifizierungsgesellschaften überlassen, mit ihrem jeweils eigenen Logo ein zertifiziertes Gebäude auszuzeichnen. Neben der DGNB drängen fortan auch andere Institutionen wie TÜV und die Wohnungswirtschaft mit eigenen Systemen auf den bundesdeutschen Markt – der Platzhirsch DGNB bekommt also eigens von dem Ministerium abgesegnete Konkurrenz. Süße Rache einer verschmähten Liebe? Dem nicht genug, wird der Bund für seine eigenen Bauten die DGNB künftig nicht mehr aufsuchen, sondern seine heiligen Hallen nach einem eigenen Zertifizierungssystem auf Nachhaltigkeit prüfen und bewerten. Vor diesem Hintergrund hat auch die DGNB davon Abstand genommen, weiterhin das grüne Blatt als Marke vor sich herzutragen, schließlich dokumentierte dieses Logo ja auch die enge Zusammenarbeit zwischen BMVBS und DGNB, die es ja nun nicht mehr gibt. Stattdessen hat die DGNB jetzt ein neues Zertifikats-Logo eingeführt, dessen Grundfarbe Blau für den Kerngedanken des DGNB-Zertifizierungssystems zweiter Generation steht: "More than green". Warum nun aber ausgerechnet Blau "more than green" ist, und nicht Grau, Gelb oder Lila, bleibt zunächst unbeantwortet. Jedenfalls Grün durfte es nicht mehr sein – mit dem Ministerium war man sich nicht mehr grün, die DGNB-Mitglieder mochten sowieso lieber Schwarz als Grün, und überhaupt verstand sich die DGNB niemals als Zertifizierer allein grüner Gedanken, sondern fasste für die Bewertung neben ökologischen auch ökonomische und soziokulturelle Aspekte ins Auge. Mit aktuell 775 Mitgliedern sieht sich die DGNB auf gutem Kurs, zum Jahreswechsel wurde das hundertste Bürogebäude zur Zertifizierung angemeldet. Bleibt abzuwarten, wie sich die DGNB im Jahr Eins ohne Unterstützung des BMVBS am Markt behauptet, zumal in den kommenden Monaten mit Konkurrenz im eigenen Land zu rechnen ist. DGNB-Präsident Werner Sobek jedenfalls ist zuversichtlich, "die Organisationsstruktur der Gesellschaft weiter [zu entwickeln], um die Zertifizierung für den internationalen Markt optimal aufzustellen". Passend zum Logo nur mal so ins Blaue hinein gesprochen… si |
|  | |  | 25 Minuten mehr Metropolis Jahrzehntelang glaubte niemand mehr, dass das letzte Fünftel von Fritz Langs Film "Metropolis" je wieder auftauchen würde. Der damals teuerste deutsche Film aller Zeiten, in dem Fritz Lang auf der Berlinale 1927 die Zukunft einer industriellen Weltstadt ausmalte, ihre gesellschaftspolitischen Katastrophen und vor allem die architektonische Megalomanie zeigte, war ein Flop und wurde sofort gekürzt, um einer größeren Filmgemeinde geschmacklich entgegenzukommen. Vor einem Jahr tauchten im Filmmuseum in Buenos Aires jene 25 Minuten auf, die Metropolis bislang fehlten. In München wurde der Film jetzt digital restauriert – und in Kürze werden die ursprünglichen 154 Minuten des Films erstmals auf der Berlinale und zeitgleich auf arte gezeigt. Dazu heißt es bei arte: "Durch die neuen Szenen erhält vieles in dem Film neue Bedeutung. Das Original ist emotionaler und menschlicher als das, was wir bislang als architektonisch kühnes Filmmärchen kannten. Besonders beeindruckend ist etwa die Szene, in der die Kinder aus der Unterstadt flüchten, die gerade – was erst in der vollständigen Version erkennbar wird – durch das Wasser aus der Oberstadt geflutet wird. Diese Szene enthält beides, eine deutlich schärfere Kritik an der Klassenstruktur der Stadt, und eine emotionale Wucht, die möglicherweise nach Meinung der Verleiher damals das Publikum überforderte. Auch heute noch geht die Szene einem an Katastrophenbildern geschulten Blick sehr nahe. Beinahe ebenso wichtig in der neuen Fassung: "Wir sehen, dass Metropolis von Menschen bewohnt wird. (...) In der restaurierten Fassung entdecken wir nun die innere Verwandtschaft von Metropolis mit dem Berlin der 20er Jahre. Und darin Menschen, die ähnlich hin und her gerissen sind zwischen Lebensgier und Loyalität, Verantwortung und Mitläufertum. Dieses Metropolis hat nicht nur eine äußere Gestalt, sondern auch ein Innenleben." Atemberaubend nach wie vor: Die filmischen Effekte und Stadtszenarien – entworfen von den Filmarchitekten Otto Hunte, Erich Kettelhut, Karl Vollbrecht und Walter Schultze-Mittendorf. ub
arte zeigt gleichzeitig zur Berlinale – dort als Public Viewing am Brandenburger Tor – den Film am 12. Februar um 20.40 Uhr. |
|  | |  | Film der Woche Kaum ein Betriebsgelände in Deutschland ist so konsequent auf hohem architektonischen Niveau nach und nach entwickelt worden wie das des Maschinenbauers Trumpf in Ditzingen. Hier geht's zum Film des Goetheinstituts. |
|
|