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Podest 10|05
 
Gestalt und Kontext

kammerer architektur stadtplanung gestaltung gewinnt den Wettbewerb um die Umweltbildungsstätte für das UNESCO Biosphärenreservat Rhön, Markt Oberelsbach. Ralf Kammerer stellt sich unseren Fragen zum Wettbewerb.

Modell
Worin lag die Herausforderung der Aufgabenstellung?

Ziel des Projekts ist es, einen Begegnungsort zu schaffen, der Besuchern die Eigenart, Vielfalt und Schönheit der Kulturlandschaft Rhön vermittelt. Beim Standort handelt es sich um ein kleines, beschauliches Dorf. Das vergleichsweise große Bauvolumen des Projekts drohte den lokalen Maßstab zu stören und damit den Charakter des Dorfes zu zerstören. Ein weiteres Ziel besteht darin, durch das Projekt die Region und seine Bewohner nicht zu Objekten zu degradieren, die von Besuchern als anthropologische und kulturhistorische Forschungsobjekte betrachtet werden. Wir entwickelten daher eine Architektur, die sich partnerschaftlich in den dörflichen Kontext integriert. Integration nicht als idyllische Camouflage, sondern als selbstbewusste Interpretation einer Möglichkeit von Gegenwart.
Lageplan
Welches architektonische Thema war Euch besonders wichtig?

Tektonik, sowohl in seiner geologischen, als auch in seiner architektonischen Bedeutung. Dekonstruktion und Rekonstruktion eines Bauwerks in eine Symbiose mit Landschaft. Dies klar und einfach umgesetzt, wie es dem Kontext und der Aufgabenstellung entspricht.
Ansicht Ost
Längsschnitt
Welche Nutzungen beinhaltet das Gebäude?

Es handelt sich um ein hybrides Gebäude. Im Sockel befinden sich Schulungsräume sowie der Versorgungs- und Verwaltungsbereich. Der Außenbereich verknüpft diesen mit dem Obergeschoss. Hier befinden sich die Wohnkuben mit Hotelzimmern. Die Kuben sind über ein Holzdeck miteinander verbunden. Im Außenbereich befindet sich ein Amphitheater.
Erdgeschoss
Obergeschoss und Dachgeschoss
Welchen Beitrag leistet Ihr Projekt zum Thema Nachhaltigkeit?

Die grundsätzliche Weichenstellung der Nachhaltigkeit eines Wettbewerbsprojekts erfolgt vor dem eigentlichen Wettbewerbsbeginn. Sie liegt in der Zuständigkeit von Bauherr und Wettbewerbsbetreuung. Mit der Wettbewerbsauslobung wird ein Korridor von Möglichkeiten definiert, in dem man sich mit seinem Beitrag bewegen kann. Um konsequente, innovative Nachhaltigkeitskonzepte umsetzen zu können sind hier größere Freiräume notwendig. Dies setzt natürlich grundsätzliches Problembewusstsein und vorhandenen Horizont auf Bauherrenseite voraus. Der Nachhaltigkeit dieses Projekts liegt in einer überwiegenden Verwendung des lokal verfügbaren Baustoffs Holz. Darüber hinaus ist es durch den modularen, kleinteiligen Aufbau möglich, lokale Fachfirmen in allen Bauphasen mit einzubeziehen. Ziel ist, das Gebäude größtenteils durch regionale Handwerker erstellen zu lassen, um einerseits Transportwege zu vermeiden, andererseits um das Projekt als lokalen Identifikationsträger in der Kulturlandschaft Rhön zu verorten.
Detail
Gibt es schon einen geplanten Fertigstellungstermin?

Die Planungs- und Bauzeit beträgt 20 Monate. Fertigstellungstermin ist im Herbst 2011.
Modell von Süden (Foto: Schirmer Architekten & Stadtplaner, Veitshöchheim)
Das eMail-Interview führte Peter Petz
 
Die gesamte Wettbewerbsdokumentation finden Sie in wa 02/2010