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Podest 07|10
 
Schlüsselbaustein

Prof. Bernhard Winking Architekten gewinnen den Wettbewerb um das Stadthaus am Markt in Frankfurt am Main. Martin Froh stellt sich unseren Fragen zum Wettbewerb.

Mitten in Frankfurt
Welche Bedeutung hat das Projekt für Frankfurt?

Mit der Überbauung des Archäologischen Gartens wird die Voraussetzung für die Neubebauung des Dom-Römer Areals geschaffen. Die so genannte neue "Altstadt" bildet die historische Keimzelle Frankfurts. Das Stadthaus wird ein Schlüsselbaustein für das Projekt sein und die unterschiedlichen Gebäudedimensionen aus den verschiedenen Epochen zusammenführen. Als multifunktionales Gebäude mit einem Veranstaltungssaal und einer stadtgeschichtlichen Ausstellung bezieht es seine Bedeutung aus der rein öffentlichen Nutzung.
Ansichten Ost und Süd
Wie gehen Sie die Verbindung von Alt und Neu an?

Die römischen, karolingischen und spätmittelalterlichen Gebäudereste bilden im Untergeschoss einen einmaligen "historischen" Raum. Der Grundriss des Neubaus folgt hier den Fundamenten der "Aula Regia", der karolingischen Krönungshalle die hier einmal stand und den wichtigen historischen Kontext zum Ort herstellt. Es geht aber nicht darum, nur diese Epoche in den Vordergrund zu stellen. Wir haben deshalb auf die Rekonstruktion der Apsiden bewusst verzichtet und die römischen und spätmittelalterlichen Funde außerhalb der Krönungshalle durch „historische Fenster" in das Konzept mit einbezogen. Die Fenster ermöglichen auch außerhalb des Gebäudes Einblicke in die Grabungsstätte. Neben dieser zentralen historischen Verbindung des Stadthauses mit dem Archäologischen Garten besteht die enge Verbindung zur rekonstruierten Häuserzeile am Markt. Die ehemals sieben Gebäude werden als Antwort auf den aktuellen Historismus Frankfurts weitgehend historisch in leicht vereinfachter Form rekonstruiert. Die Zeile ergänzt als mittelalterliche Kulisse die stadtgeschichtliche Ausstellungskonzeption des Stadthauses.
Erdgeschoss
Welche Nutzungen befinden sich im Erdgeschoss?

Die Zeile am Markt wird in den Erdgeschossen für Einzelhandel oder Gastronomie genutzt. Das Erdgeschoss des Stadthauses befindet sich auf dem erhöhten Niveau der Schirn. Es umfasst den Eingang und ein großzügiges Foyer in Kombination mit einer Ausstellungsfläche die sich zum Dom orientiert. Geplant ist außerdem ein kleiner Museumshop.
Nutzungsschema
Können Sie uns durch das Gebäude führen als ob es schon fertiggestellt wäre?

Das Gebäude bietet zwei unterschiedliche Wege. Zum einen den Weg für Besucher des Archäologischen Gartens und der stadtgeschichtlichen Ausstellung im Erdgeschoss und Untergeschoss, zum anderen den Weg der Frankfurter Bürger und ihrer Gäste in einen Saal im Obergeschoss. Der Saal dient für Empfänge der Stadt, Veranstaltungen, Feste und Vorträge.
Vom Foyer im Erdgeschoss gelangt man über einläufige Treppen, die die Längswände des Hauses flankieren über ein Zwischengeschoss mit Garderobe, Nebenräumen, Küche und Verwaltung in das Foyer des Obergeschosses mit Blick auf den Dom. Der Saal orientiert sich zum Römer. Er kann mit dem Foyer einen flexiblen großen Raum bilden, der ebenso wie das Erd- und Untergeschoss an die historische Krönungshalle erinnert. Der Rundgang der Ausstellung führt die Besucher durch das Erdgeschoss ebenfalls über eine einläufige Treppe in das Untergeschoss mit den archäologischen Funden der unterschiedlichen Epochen.
Detail
Welche Materialstrategie schlagen Sie vor?

Das Archaische des Archäologischen Gartens, mit seinen gemauerten Fundamenten und Wandresten wollen wir bei den Fassaden durch einen Ziegelbau aufgreifen und zeitgemäß interpretieren. Da wir nicht direkt auf die historischen Funde bauen können ist das Haus als Stahlbetonbau konzipiert. Wandartige Träger ermöglichen es, nur an wenigen Punkten Lasten im Bereich des Archäologischen Gartens abzutragen. Der Stahlbetonbau erhält eine Verblendschale aus geschlemmtem Ziegel, also eine homogene Oberfläche bei der die Ziegelstruktur aber noch sichtbar ist. Die Stahlbetonwände im Inneren werden ähnlich behandelt.
Modell von Westen (Foto: ANP – Architektur- und Planungsgesellschaft mbH, Kassel)
Das eMail-Interview führte Peter Petz
 
Die gesamte Wettbewerbsdokumentation finden Sie in wa 02/2010