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Personen, Preise, Pointen |
Bilder: Schulz & Schulz Architekten, Leipzig |  | |  Opfer unsachlicher Kritik: Der Siegerentwurf für St. Trinitatis in Leipzig | Die Currywurstisierung der Kritik Unter der Überschrift "Die Ruhrpottisierung Leipzigs schreitet voran" war in der letzen Woche ein Artikel in der Tageszeitung "Die Welt" zu lesen. Dankward Guratzsch schrieb über den geplanten Neubau der katholischen Kirche St. Trinitatis in Leipzig, den Wettbewerb dazu hatte das Büro Schulz & Schulz Architekten gewonnen. Was an dem Text bewegt, ist weniger die Tatsache, dass der Kritiker mit der Entscheidung nicht einverstanden ist – dieses Recht muss er haben. Bedenklich müssen die Argumente stimmen. Die Jury habe, so Guratzsch, auch in dieser Architektenkonkurrenz den Publikumsgeschmack auf ganzer Linie verfehlt, wenn man die Argumente in Internetforen für repräsentativ halte. Mal abgesehen davon, dass es nicht zum Auftrag der Jury gehört, möglichst nahe am Publikumsgeschmack zu liegen, sind Internetforen eben nicht repräsentativ – zu leicht können sie manipuliert werden. Guratzsch nennt allerdings nur ein Forum; dass hier durchaus auch andere Meinungen vertreten waren, verschweigt er. So heißt es dort auch: "die architekten haben nach meiner Ansicht absolut einen dem zweck entsprechenden entwurf abgeliefert." Schlimmer ist die Behauptung von Guratzsch, es habe einen Publikumsliebling unter den Entwürfen gegeben – das wird lediglich mit der "Beobachtung von Besuchern" belegt. Guratzsch schmerzt, dass die von ihm favorisierten Entwürfe auf der Strecke blieben – mit funktionalen Argumenten habe das nicht wirklich begründet werden können, entrüstet er sich. Ohne dass auf ein Juryprotokoll verwiesen würde, wird daher der Juryentscheidung ein ideologischer Beigeschmack attestiert. Wie dem auch sei, Guratzsch nimmt die ablehnenden Äußerungen als Bestätigung der eigenen Meinung, dass die gestalterische Kargheit des Baus in Frage zu stellen sei. Die Meinungen des Internetforums sind ihm Beleg dafür, dass diese Kirche mit ihrer Haltung demonstrativer Bescheidenheit Aversionen wecke. Dem Mut der Kirche, in die Mitte der Stadt zurückzukehren und ein großes Gotteshaus zu errichten, korrespondiere auch in diesem Fall eine lähmende Zaghaftigkeit vor "Repräsentation". Unerträglich ist, dass dem "die immer selbstbewusster, immer großartiger, immer 'sakraler' konzipierten Moscheen" entgegengehalten werden. Ihnen werde der Vorwurf des Triumphalismus gemacht, dem die Kirche entgehen wolle. Soll sich also die katholische Kirche das gestatten, was den Muslimen vorgeworfen wird? Dass die Kirche historisch bedingt im Unterschied zu den Muslimen in den Städten bereits ganz anders repräsentiert ist, macht den Vergleich zudem schief und ungerecht. Außerdem hat die Kirche durchaus das Recht, selbst zu entscheiden, welche Rolle sie wie in der Gesellschaft architektonisch repräsentiert sehen will, auch wenn Internetuser eine andere Meinung haben. Guratzsch wirft Argumente und Andeutungen auf eine Weise suggestiv durcheinander, die eine Schande für den Berufsstand des Kritikers sind. Das hat mehr als ideologischen Beigeschmack. Dieses Niveau hat keiner verdient: Weder die Kirche, noch die Architekten, noch der Leser, noch die Muslime. ch |
Bilder: Architekten; DIC Entwicklungsgesellschaft |  | |  Oben: WinX-Entwurf von KSP Jürgen Engel, darunter: MainTorPanorama von Christoph Mäckler | The winners are... Im Gutachterverfahren zur Neubebauung des einstigen Degussa-Geländes zwischen Karmeliterkloster und Schauspielhaus sind die beiden Lokalmatadoren in der zweiten Runde – von der ersten berichteten wir – siegreich gewesen und werden die beiden Hochhäuser "WinX" (KSP Jürgen Engel) und "MainTorPanorama" (Christoph Mäckler) bauen. Die einschlägigen Zertifikate in Sachen Ökologie werden die Projekte wohl erhalten, gestalterischen Mut vermisst man allerdings. Rasterfassaden mit leichten Differenzierungen in den Obergeschosszonen, die aus der eigentlichen Kubatur nicht ausscheren, scheinen typisch für Frankfurt zu werden, in dessen Skyline offenbar keine Extravaganzen mehr geduldet werden. "Porta", der erste Bauabschnitt des dreiteiligen Komplexes, wird ebenfalls von KSP Jürgen Engel gebaut und entspricht offenbar dem Wunsch des Projektentwicklers DIC nach "klassischem Baustil". Die Baumasse, die auf der Innenstadtseite des Mains entsteht, ist erheblich, wie die Übersichten auf der Maintor-Seite zeigen. Dort erscheint als Stichwort "Vielfalt" – die erkennen wir nun eigentlich gar nicht in den Einzelteilen, aber sei's drum: Wer Kurioses mag, schaut lieber nach Fernost, wo die Formenvielfalt allerdings im andern, oft schaurigen Extrem liegt. In Frankfurt wird alle zwei Jahre der Hochhaus-Preis vergeben – den jüngsten gewann 2008 Norman Foster mit seinem Hearst Headquarters Tower in New York – ein schnörkelloses Gebäude mit klarer Identität. Wie die Wahl 2010 ausfällt, entscheidet sich im Herbst. Ein Kriterium in diesem Wettbewerb ist eine Mindesthöhe von 100 Metern – dem würde 2014, wenn die beiden Frankfurter Projekte fertig sein sollten, nur der 100 Meter hohe WinX-Turm entsprechen; der Panorama-Turm kommt mit seinen gerade mal 64 Metern Höhe nicht ins Rennen. ub |
Bilder: Carlos Lopes (oben), Stephen Shore und Sprüth Magers, Berlin/ London (Mitte) |  | |  Stephen Shore, einer der bedeutendsten Fotografen der Gegenwart, wird in diesem Jahr mit dem Kulturpreis der DGPh ausgezeichnet. | Die Revolution der Farbe Farbfotografien schienen lange Zeit der Kunst nicht würdig, waren sie doch die Domäne von Werbung und Amateurfotografie. Dies änderte sich erst in den siebziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts, als die vier unabhängig voneinander arbeitenden Amerikaner Stephen Shore, Joe Maloney, Joel Sternfeld und Joel Meyerowitz begannen, Farbfotografie als Kunst aufzufassen und alltägliche Szenen, vermeintlich Banales in den Blickpunkt ihres Schaffens rückten. Stephen Shore, der zu den bedeutendsten Fotografen der Gegenwart zählt, wurde nun der Kulturpreis 2010 der Deutschen Gesellschaft für Photographie (DGPh) verliehen. Damit ehrt die Organisation, die sich vorrangig für die kulturellen Belange der Fotografie und verwandter Bildmedien einsetzt, einen der Protagonisten der New-Color-Photography. So lautet die offizielle Bezeichnung, die auf eine Ausstellung mit dem Titel "The New Color" zurückgeht. Darin zeigten 1981 in New York 45 Fotografen ausschließlich ihre Farbbilder. Shore war einer von ihnen und auch einer der wenigen, die zu diesem Zeitpunkt schon bekannt waren. Der 1947 in New York geborene Shore hatte bereits in seiner Kindheit begonnen, sich mit Fotografie zu befassen. Schon 1961 kaufte das Museum of Modern Art in New York drei seiner Schwarzweiß-Prints für die fotografische Sammlung. Mitte der sechziger Jahre begann Shore das künstlerische Treiben in Andy Warhols Factory zu dokumentieren. Während verschiedener Reisen durch das amerikanische Hinterland enstanden Anfang der siebziger Jahre Bilder der New-Color-Photography, die Tankstellen, Straßenkreuzungen, Motelzimmer und Dinergedecke zeigen. Die Verleihung des Kulturpreises findet am 11. September 2010 im NRW Forum für Kultur und Wirtschaft in Düsseldorf im Rahmen der Quadriennale 2010 statt. Deren Programm widmet sich dieses Mal dem transatlantischen Einfluss auf die Fotografie der 1970er und 1980er Jahre. Bei Schirmer/Mosel wird im Mai eine Neuauflage des lange Zeit vergriffenen Bildbandes "Uncommon Places" mit 140 Farbtafeln erscheinen. Wir werden ihn dann hier unter die Lupe nehmen. sh |
|  | |  | Film der Woche Das Haus, die Stadt, der Wald, der Wolf. Ein Märchen in den Zeiten, in denen die Mechanisierung die Herrschaft angetreten hat. Hier geht's zum Film bei youtube. |
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