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Personen, Preise, Pointen |
Sassnitz (Foto: Wilfried Dechau) |  | |  Elbebrücke Mühlberg (Pressebild) | Lob der Ingenieure Am Montag wurde in Dresden – das sich beim peinlichen Gerangel um die Waldschlösschenbrücke wahrlich grandios blamierte – der Deutsche Brückenbaupreis verliehen. Um nicht Äpfel mit Birnen vergleichen zu müssen, stehen Preise in zwei Kategorien zur Verfügung: Straßen- und Eisenbahnbrücken sowie Fuß- und Radwegbrücken. Freuen durften sich Mike Schlaich und Andreas Keil über die Anerkennung für ihre Brücke, die vom Ort Sassnitz (Rügen) mit einem eleganten Schwung 22 Meter hinunter zum Seehafen führt. Der dünne Träger hängt an einem schrägen Mast – das ist rechnerisch und ausführungstechnisch dann doch nicht so einfach wie es aussieht. Der Bau der Sassnitzer Brücke ist übrigens in einem herausragenden Fotobuch dokumentiert; Wilfried Dechau verbrachte Monate auf der Baustelle, um den Prozess des Bauens nicht nur nachvollziehbar, sondern auch fotokünstlerisch ins Bild zu setzen (Wasmuth-Verlag). Wolfgang Eilzer wurde für seine Elbebrücke Mühlberg (Brandenburg-Sachsen) ausgezeichnet, eine fast 700 Meter lange Brücke mit einem mittigen Stahlverbundabschnitt, die mit einem markanten Strompfeiler und ästhetisch anspruchsvollen Vouten aus dem Einerlei der Standardbrücken deutlich herausragt. Es waren insgesamt 27 Brücken eingereicht worden – das ist, gemessen an dem, was an Brücken landauf, landab gebaut wird, herzlich wenig. Auslober des 2006 erstmals verliehenen Preises sind die Bundesingenieurekammer und der VBI, unterstützt vom BMVBS; Hauptsponsor ist die Deutsche Bahn. Schenkte beim letzten Preis der Minister Wolfgang Tiefensee der Veranstaltung noch ein hohes Maß an Aufmerksamkeit, war dieses Mal der Staatssekretär Jan Mücke zugegen. Es wird sich zeigen müssen, ob Tiefensee-Nachfolger Ramsauer, der dem Verkehr bislang im BMVBS eindeutig Vorrang einräumte, den Brückenbau als Kulturaufgabe annimmt. Rüdiger Grube als Nachfolger Hartmut Mehdorns wird an vielen Stellen gefordert sein, wo die Bahn als Bauherrin ihrer baukulturellen Pflicht nachkommen muss: Brücken, Bahnhöfe, Tunnels – die Bahn investiert in naher Zukunft Milliarden in ihre Bauwerke. Wenn das mal gut geht! ub |
|  | |  Mit dampfenden Schloten, deren Abgase die Luft verpesten und in vielen Städten der Erde den Himmel verdunkeln, müssen wir uns nicht abfinden. Der Film "Die 4. Revolution" und das Buch "Energieautonomie" zeigen den Weg in eine andere Energiezukunft. | Die 4. Revolution. Energy Autonomy Die Photovoltaikanlagen auf deutschen Dächern und Äckern wurden und werden immer zahlreicher – Kürzung der Solarstromförderung hin oder her (siehe eMagazin 09 | 10 und 10 | 10. Windkraftanlagen schießen hierzulande und anderswo wie Pilze aus dem Boden und die Anbieter von Ökostrom haben eine wachsende Fangemeinde. Doch können wir uns wirklich vorstellen, wie wir schon in naher Zukunft unseren kompletten Energiebedarf regenerativ decken könnten und dabei nicht mehr abhängig wären von wenigen weltweit agierenden Unternehmen? Der Dokumentarfilm "Die 4. Revolution. Energy Autonomy" schafft es, die Zuschauer davon zu überzeugen. Denn die vielen kleinen Beispiele, die zahlreichen Projekte, die über den ganzen Planeten verstreut sind und im Film gezeigt werden, öffnen den Zuschauern die Augen für das, was heute bereits möglich ist, wenn man sich nur traut und das Potenzial der zur Verfügung stehenden Technik nutzt. Acht Menschen, wie Muhammad Yunus (Gründer der Grameen Bank) und Matthias Willenbacher (Gründer von juwi), zeigen diesen Weg hin zur energetischen Revolution. Ihre Themen: Energieproduktion, Mobilität, Energieeffizienz, Solararchitektur, Energiespeicherung, Elektrifizierung der dritten Welt, Kampf gegen die Armut. Um all diese Aufnahmen zu machen, reiste das Team in zehn Länder auf vier Kontinenten (Europa, Amerika, Afrika und Asien) und kehrte mit 116 Stunden Film nach Hause zurück. Für die Kinofassung wurde alles auf 83 Minuten reduziert. Doch auch die Aussagekraft dieser "kurzen" Version ist enorm. Das Medium Kino mit großformatigen Bildern und die teilweise dramatische Musik tragen dazu natürlich ihren Teil bei. Doch dieses Thema lebt zum einen von diesen Emotionen, die ein Kinofilm transportieren kann, zum anderen lässt sich dadurch ein großes Publikum erreichen. Kinostart ist am morgigen Donnerstag, 18. März 2010. Wer sich davor noch ausführlicher informieren möchte, der kann sich den Trailer oder einen Beitrag aus "Im Grünen" vom 26. Januar 2010 anschauen. Angelehnt ist der Dokumentarfilm an das bereits 2005 im Verlag Antje Kunstmann veröffentlichte Buch von Hermann Scheer, "Energieautonomie", das mittlerweile auch ins Englische, Französische, Italienische, Dänische und Koreanische übersetzt wurde. Teil I des 300 Seiten umfassenden Buches, widmet sich dem Grundkonflikt des 21. Jahrhunderts, "Sonne oder Atom", der fünf Jahre nach Erscheinen der Publikation immer noch aktuell ist. In Teil II erfährt der Leser von den diversen Handlungsblockaden, den taktischen Spielchen der Energieversorger, um dann im letzten Abschnitt aufgezeigt zu bekommen, wie sich die Wende hin zu 100 Prozent Erneuerbaren Energien realisieren lässt. Scheer, der 1999 mit dem alternativen Nobelpreis ausgezeichnet worden war, hat dieses lesenswerte Buch in einer leicht verständlichen, aber dennoch präzisen, deutlichen Sprache geschrieben, so dass nicht nur Energieexperten und Ökonomen damit etwas anfangen können. sh |
|  | |  | Große Linien, große Projekte Unter der alten Bundesregierung wurde die Plattform "Nationale Stadtentwicklungspolitik" etabliert. Als einen Beitrag dazu versteht sich der noch von dem bis 2009 amtierenden Staatssekretär Engelbert Lütke Daldrup zusammen mit Peter Zlonicky herausgegebene Band Große Projekte in deutschen Städten. 20 Projekte aus 20 Städten repräsentieren den aktuellen Stand der Stadtentwicklung in Deutschland, das heißt in erster Linie deren Prestigeprojekte. Das Buch ist eine Bestandsaufnahme, ein Überblick über die Lage der Dinge auch in den Projekten, deren Start bereits einige Jahre zurückliegt – damit ist auch bereits das benannt, was diesen Band wertvoll macht. Eine kritische Darstellung ist das nicht: Wenn die Planungsreferenten, Amtsleiter oder Oberbürgermeister über die Projekte ihrer Stadt schreiben, kann man nicht erwarten, dass ein Ergebnis auf Nebenwirkungen, verfehlte Ziele, geänderte Rahmenbedingungen hin befragt wird, dass vorbehaltslos nach den Wirkungen auf die Gesamtstadt gefragt wird. Von den 31 Autoren sind vier unter 50 – auch das ein Hinweis darauf, wieviel Neues man von diesem Buch erwarten darf. Daher soll hier der Blick auf Bücher von jüngeren Autoren gelenkt werden. Eine außergewöhnliche und gründliche Bilanz der Stadtentwicklung Londons der letzten Jahre hat Cordelia Polinna vorgelegt. Gerade in London wurden die großen Projekte als Motor der Stadtentwicklung zu einem Paradigma erhoben. Der Millenniumhype, das Engagement von Richard Rogers für eine lebenswerte Stadt und die Wiedereinführung einer übergeordneten Planungsinstanz, der Greater London Authority, hatten große Hoffnungen geweckt. Polinna ordnet diese Entwicklungen in einen längerfristigen Zeithorizont ein und zieht eine Bilanz, sie benennt nicht nur die Erfolge – die es zweifelsohne gibt – sondern auch die Schattenseiten: Die Lücken in der Nahversorgung, der teils rücksichtslose Umgang mit dem historischen Baubestand, die oft zu einseitige Orientierung an Touristen und Creative Class. Eine Schriftenreihe "Stadt und Landschaft", die vor allem der Unterstützung des wissenschaftlichen Nachwuchses dient, hat das Städtebau-Institut der Universität Stuttgart ins Leben gerufen. Die ersten (und bislang einzigen) drei Bände bestehen allesamt aus Promotionen. Die Themen verdienen allemal ein breites Interesse: Karoline Brombach widmet sich den Baumärkten. Auch diese sind ja "große Projekte", die merkwürdigerweise allerdings keinen zu interessieren scheinen – doch gerade deswegen zeichnen gerade sie und eben nicht nur die Projekte mit denen sich die Städte schmücken wollen, ein Bild "für die Zukunft der europäischen Stadt" (Lütke Daldrup/ Zlonicky), nur eben keines, mit dem man glänzen könnte. Im Band 2 der Reihe widmet sich Anne Mayer-Dukart der städtebaulichen Integration innerstädtischer Einkaufszentren, und Lisa Küchel beleuchtet im dritten Band die Entwicklungen und Tendenzen des französischen Stadtwohnens. ch |
|  | |  | Film der Woche Wer glaubt, Architektur habe nur etwas mit Bauen und von Menschen Erdachtem zu tun, sei hier eines Besseren belehrt. Adrian Pfiffner von der Universität Bern untersucht, wie die Alpen entstanden sind. Ein Film über eine etwas andere Architektur, die Architektur der Erde. |
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