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Personen, Preise, Pointen |
Bilder: DAI (oben), Pressebild (unten) |  | |  | Preise über Preise Der DAI ist der Verband Deutscher Architekten- und Ingenieurvereine e.V., ein 1871 gegründeter Dachverband, der seit 1995 im Zweijahresrhythmus seinen "Großen Preis für Baukultur" vergibt – viel Ehre, kein Geld. Nach Norman Foster (2008) erhält dieses Jahr David Chipperfield als zweiter Engländer den Preis, mit dem er für sein Lebenswerk geehrt wird. Chipperfield wird im Rahmen des DAI-Tages (24. bis 26. September) den Preis im Museum Folkwang in Essen entgegennehmen, das er selbst gebaut hat und dem ungeteiltes Lob zuteil wurde (siehe Bau der Woche 05|2010). Tatsächlich muss man David Chipperfield und seinem Büro hoch anrechnen, dass sie in allen Aufgaben – auch scheinbar belanglosen und alltäglichen – ihren Anspruch an die eigene Arbeit nicht aufgeben, dass sie sich nicht anfällig für Moden gezeigt haben und auch die Maßstabssprünge, an denen viele gute Architekten scheitern, elegant meisterten. Davon zeugen das Deutsche Literaturmuseum in Marbach, die Renovierung der Berliner Museumsinsel, ein Hotel in Hamburg und vieles mehr – es lohnt sich, einen Blick auf die Projektliste des Büros zu werfen, das weltweit tätig ist. Deutlich enger gefasst ist der Preis des Deutsches Stahlbaues, den das bauforumstahl und der Deutsche Stahlbau-Verband DSTV vergeben – Ehre verbunden mit 10.000 Euro Preisgeld. In diesem Jahr, wer hätte es gedacht, geht der Preis an ein Fußballstadion in Südafrika: das Cape Town Stadium in Greenpoint. gmp und Schlaich Bergermann und Partner wird bescheinigt, dass ihnen "eine ausgezeichnete Synthese aus Funktionalität, Gestaltung eines skulpturalen Solitärs und eine die Landschaft bereichernde städtebauliche Integration eines modernen Großstadions gelungen" sei – so die Jury. Solitär und Integration, Landschaft und Städtebau sind in dieser Begründung recht merkwürdig in Beziehung gesetzt – sei's drum, versierte Stahlbauer sind die Architekten und Ingenieure allemal. Über die Preise freuen sich die Gepriesenen natürlich mit gutem Recht. Den Preisen machen aber mehr und mehr die Zertifizierungen zu schaffen, mit denen der Wert eines Gebäudes – vielleicht sollte man besser sagen: einer Immobilie – mit mehr oder weniger großem Aufwand und mehr oder weniger überzeugenden Kriterien quantifiziert wird. Der baukulturelle Gesamtwert fällt dabei generell nicht ins Gewicht. Einmal mehr wird so sektiert, was als Ganzes im Auge behalten werden sollte: die gebaute Umwelt. ub |
Bilder oben und Mitte: NL Architects |  | |  Mit der elegant geschwungenen Flipper-Brücke könnten Unfälle bei der Reise von Hongkong nach China verhindert werden (oben und Mitte). Bereits gebaute Brücken kann man in der Dokumentation zum Deutschen Brückenbaupreis 2010 begutachten (unten). | Automatischer Seitenwechsel Der Wechsel vom Rechts- zum Linksverkehr birgt so einige Tücken. Davon zeugen nicht nur die in London allgegenwärtigen, dezenten Aufforderungen "look right" und "look left", die an Fußgängerüberwegen möglichst viele Unfälle mit verwirrten Kontinentaleuropäern und anderen Touristen verhindern sollen. Bei den Autofahrern hilft dagegen nur viel Konzentration und ein aufmerksamer Beifahrer. Das Glück dabei: Da Großbritannien derzeit nur per Fähre oder Autozug zu erreichen ist, muss nicht direkt zwischen den beiden Fahrtrichtungen umgeleitet werden. Ganz anders stellt sich die Situation zwischen Hongkong, das sich aus der britischen Kolonialzeit das Erbe des Linksverkehrs erhalten hat, und den chinesischen Städten Macao und Zhuhai dar. Mit einer neuen Brücke soll künftig eine direkte Verbindung hergestellt und die Fahrtzeit von derzeit vier bis fünf Stunden auf nur noch dreißig Minuten reduziert werden. Doch wie schafft man es nun, die Autofahrer vom Rechts- in den Linksverkehr und wieder zurück zu bringen, ohne dabei größere Kollateralschäden anzurichten? NL Architects aus Amsterdam hatten beim "Hong Kong Boundary Crossing Facilities International Design Ideas Competition" dazu eine ausgefallene Idee: die sogenannte Flipper-Brücke (von englisch "to flip" = umdrehen). Die beiden Fahrbahnen werden aufgesplittet, die eine unter der anderen hindurchgeleitet und der Autofahrer wechselt so ganz ohne eigenes Zutun von der einen auf die andere Seite der Fahrbahn. Gewonnen haben die Niederländer mit diesem Entwurf den viel umfangreicheren Wettbewerb leider nicht. Wer sich statt mit Entwürfen und ausgefallenen Ideen lieber mit bereits realisierten Brücken auseinandersetzt und dazu gelungene Beispiele aus Deutschland sucht, der sei darauf hingewiesen, dass nun die Dokumentation zum "Deutschen Brückenbaupreis 2010" erschienen ist. Sie kann für sechs Euro beim VBI auf folgenden Wegen bestellt werden: per E-Mail (versand@vbi.de), per Fax: 030 26062-100 oder per Post an VBI Service- und Verlagsgesellschaft, Budapester Straße 31, 10787 Berlin. Über die Sieger haben wir bereits im eMagazin 11|10 berichtet. sh |
|  | |  | Lesezeit für Architekturtheorie Auch wenn man es nicht spürt: Der Sommer kommt, mit ihm kommen die Ferien, mit den Ferien kommt die manchmal vermisste Lesezeit. Auf die neue Theoriezeitschrift Candide hatten wir schon im eMagazin 10|10 hingewiesen – angekündigt ist jetzt für den Juli die 2. Ausgabe mit fünf Aufsätzen zu sehr unterschiedlichen Themen. Derweil ist die Dokumentation, Fortsetzung und Vertiefung eines Kongresses an der Städelschule Frankfurt erschienen. Dort hatte man sich im November 2005 des Themas "Architektur & Theorie" angenommen. Den hier vorliegenden, gleichbetitelten Band präzisiert Luise King im Vorwort: "Praxis und Theorie in Zeiten des Pluralismus". Dahinter steckt, salopp gesagt, die Überlegung, dass Theorie allzu oft wie ein autistisch formuliertes Hirngespinst daher kommt, das keinen Bezug mehr zu einer Wirklichkeit hat, die wir – gebaut oder zerstört oder ungebaut – Tag für Tag erleben. Die Autorin plädiert dagegen dafür, dass die Kritik wiederbelebt werden und in ihren Wechselbeziehungen zu Praxis und Theorie einen Diskurs in Bewegung bringen möge, der den Namen verdient. In zwölf Beiträgen wird diese These untermauert. Dass Theorie hier und da Selbstzweck geworden ist, setzt Werner Oechslin in einen allgemeinen Zusammenhang mit Brüchen in der Geschichte und plädiert für das Naheliegende: die Verbindung zur Wirklichkeit. Dalibor Vesely geht dem Verständnis von Theorie im modernen Wissenschaftsspektrum nach, erläutert den Bedeutungsverlust der Theorie in der neueren Phänomenologie und zeitgenössischen Hermeneutik. Gerd de Bruyn fordert schließlich vehement, dass Theorie und Praxis eine Einheit bilden müssen: Mit einer geeigneten Kodifizierung der Architektur könne man den Widersprüchen von Theorie und Praxis sehr wohl beikommen. An diese Grundsatzbeiträge schließen sich konkrete Beispiele an, wo Praxis und Theorie aufeinander treffen – sie lassen schon deutlich werden, dass es um die Einheit von beiden nicht überall gut bestellt ist. Neu erschienen ist auch ein sehr nützliches Buch, das in der Praxis und in der Theorie beste Dienste leisten wird. "Raum. Ein interdisziplinäres Handbuch" bietet angenehm lesbare, von versierten Autor(inn)en verfasste Begriffserklärungen, die im weitesten Sinne mit dem Phänomen Raum zu tun haben. Neben den Grundlagen in den Naturwissenschaften, Geowissenschaften und Künsten geht es um Raum in den Kulturdiskussionen. Raum, so stellt man hier einmal mehr fest, ist immer wieder als Kategorie in interdisziplinären Zusammenhängen auf Konstanten und auf neue Inhalte hin zu untersuchen. Davon sollte die Architekturtheorie profitieren, die sich in der gegenwärtigen "Begriffsauslegungshoheit" gelegentlich sehr überschätzt – und Schlimmes in den Debatten über Architektur anrichtet. Dieses Buch ruft in Erinnerung, was Otto Friedrich Bollnow, Alexander Gosztonyi, Samuel Sambursky, Max Jammer, Gaston Bachelard oder Elisabeth Ströker und viele andere kenntnisreich und sprachversiert zu Papier gebracht haben. Papier? Es erweist sich in einer digital usurpierten Diskussion als wert- und wissensbeständig. Bis Herbst müssen wir auf die neuen Bände "architekturdenken" vom transcript-Verlag warten: Jörg Gleiter wird die These von der Geschichtslosigkeit der Moderne widerlegen, Gerd de Bruyn und Wolf Reuter erörtern das "Wissen der Architektur", in der Verlagsvorschau noch etwas kryptisch formuliert: "Ein paradigmatischer Wandel des Architektur-Begriffs eröffnet neue theoretische Perspektiven und entwickelt große Erklärungskraft. Die vormoderne Überzeugung, Architektur sei eine enzyklopädische Wissenschaft und Kunst, wird heutzutage in netz- und wissenstheoretischen Modellen aktualisiert, die uns die Architektur wieder als Einheit von Theorie und Praxis verstehen lassen. Der Nachweis ihrer zugleich vormodernen und (post-)modernen Struktur gelingt in diesem Buch über eine epistemologische Analyse ihrer Produktionsprozesse und aufgrund einer kritischen Erörterung der Architektur aus handlungs- und machttheoretischer Perspektive." Naja, da rätseln wir und warten wieder mal aufs Original des Textes. ub
Luise King (Hrsg.): Architektur und Theorie. Produktion und Reflexion. 312 Seiten, Text deutsch und englisch, ISBN 978-3-88506-587-6, Junius Verlag, Hamburg 2009
Günzel, Stephan (Hrsg.): Raum. Ein interdisziplinäres Handbuch. 372 Seiten, ISBN 978-3-476-02302-5, J. B. Metzler Verlag, Stuttgart/ Weimar 2010 |
|  | |  | Film der Woche Die Wahl in Großbritannien war für arte ein guter Anlass, sich etwas intensiver mit unseren europäischen Nachbarn auf der anderen Seite des Ärmelkanals zu beschäftigen. In der Millionenmetropole London, kann man den Wandel im Leben der Briten auch an der Architektur ablesen. Die Stadt an der Themse prägt ein erstaunlicher Mix aus Alt und Neu, wie die Reportage von Manuel Dantas und Thomas Vollherbst zeigt. Hier geht's zum Film auf arte.tv. |
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