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Gemeindezentrum Gallusheim der Gemeinde St. Gallus, Urberach
Begrenzt offener Wettbewerb mit Bewerbungsverfahren Jury Prof. Thomas Meurer, Vors. Johannes Krämer Roland Kern Pfarrer Klaus Gaebler Prof. Kuno Mauritius Schneider Albert Grix Bardo Suderleith 1. Preis netzwerkarchitekten PartG Darmstadt 2. Preis Fischer - Summerer Architektur Innenarchitektur Andernach 3. Preis Eisele Staniek + architekten + ingenieure Darmstadt |
Offenes Haus netzwerkarchitekten gewinnen den Wettbewerb um das Gemeindezentrum Gallusheim der Gemeinde St. Gallus in Urberach. Markus Schwieger und Karim Scharabi stellt sich unseren Fragen zum Wettbewerb. Blick auf den GallusplatzWelche Bedeutung hat der Wettbewerb für Urberach? Urberach ist ein kleiner Ort in der Nähe Frankfurts mit einer sehr heterogenen Baustruktur unterschiedlicher Qualität und Bauweise. Im weiteren Wettbewerbsumfeld befinden sich ein- bis dreigeschossige Gebäude, überwiegend mit geneigten Dächern aber unterschiedlicher Firstrichtung in offener und geschlossener Bauweise. Neuere Bebauung wechselt sich mit einigen wenigen historischen Fachwerkhäusern ab. Die alte denkmalgeschützte Pfarrkirche St. Gallus an der Hauptstraße wurde 1923 erbaut und in den 50er Jahren durch ein Querschiff ergänzt wodurch eine stark gegliederte Ostfassade zum angrenzenden Gallusplatz entsteht. Öffentlicher Raum als geometrisch klar gefasster Platzraum ist Mangelware. Durch den Neubau des Gemeindezentrums besteht diese Chance, im Ortskern eine solche Fläche zu definieren. Außerdem gewinnt der Standort der katholischen Kirche, der schon jetzt durch den großen Kirchenbau in zentraler Ortslage bestimmt ist, an Funktion und Bedeutung, indem künftig das Gemeindeleben durch den Neubau wahrnehmbar verkörpert wird. LageplanWie haben Sie auf den Kontext reagiert? Der Neubau des Gemeindezentrums wird als einfacher langgestreckter zweigeschossiger Baukörper an der östlichen Grundstückskante positioniert. Dadurch bildet er mit der gegenüberliegenden Kirche eine eindeutige und klar gefasste Platzfläche. Die gereihte Satteldachstruktur nimmt dabei Bezug auf den Kontext. Durch die regelmäßige Struktur erscheint der Baukörper als Objekt mit eigenem Charakter und eigener Identität. Der Neubau besteht aus einem transparenten Erdgeschoss, der das Gemeindeleben allseitig sichtbar macht und einem darüber schwebenden, durch gereihte Satteldächer gegliederten Dachvolumen. Wir haben im Verlauf der Wettbewerbsbearbeitung lange die Frage der Orientierung des Gebäudes diskutiert und auch Konzepte verfolgt die eine stärkere Ausrichtung des Baukörpers zur gegenüberliegenden Kirche verfolgt haben und somit eine `Rückseite´ zur östlich gelegenen Straße erzeugt hätten. Uns erschien es aber nicht richtig das die Gemeinde sich in diesem Maße auf sich selber bezieht, sich also nur sich selbst zuwendet, sondern das neue Gemeindezentrum soll als offenes Haus nach verschiedenen Seiten erscheinen und funktionieren. Erdgeschoss, Obergeschoss, SchnittperspektiveWie organisieren Sie das Gemeindezentrum? Im Erdgeschoss befinden sich Foyer und Versammlungsflächen mit dienenden Räumen. Vorhänge können Introvertiertheit und Sichtschutz von außen sowie unterschiedliche Raumstimmungen im Inneren erzeugen. Ein außen liegender Sonnenschutz verhindert die Überhitzung des Gebäudes. Der Hauptzugang erfolgt über das mittlere „Haus", das mit einem hohen zweigeschossigen Raum die beiden Geschosse verbindet und das Zentrum des Gemeindehauses bildet. Je nach Veranstaltungsart und Anlass kann das Erdgeschoss in einzelne Räume unterteilt werden. Bei geöffneten Schiebetüren umfließt er als großer Raumzusammenhang die Nebenraumzone. Der WC-Bereich ist bei geschlossenem Gemeindehaus unabhängig vom Platz aus zugänglich. Die Küche liegt im Osten und kann von hier aus auch separat beliefert werden. Im Obergeschoss befinden sich die Gruppenräume, die durch die eigenen Satteldächer jeweils den Charakter eines Hauses im Haus erhalten. Sie sind zum Galluplatz orientiert und erhalten, ebenso wie die Flurzone, durch einzelne Dachflächenfenster zusätzliches Licht und eine besondere Raumatmosphäre. Die beiden nördlichen Gruppenräume können durch eine Faltschiebewand miteinander verbunden werden. Der am Luftraum des Foyers gelegene Gruppenraum kann durch öffenbare Schiebefenster galerieartig verbunden werden. Zwischen dem Erschließungsflur im Westen und den Gruppenräumen befindet sich eine raumhohe Regal- und Schrankwand, die den Gruppenräumen zugeordnete Abstellfläche als Ergänzung des Abstellraumes im Süden bietet, und die Wandelemente der Faltwand aufnimmt. Blick in den GruppenraumWelche Materialstrategie schlagen Sie vor? Die Konstruktion des schwebende Baukörper ist in Holzrahmenbauweise vorgesehen. Die Auskragung wird über die langen seitlichen Wandflächen ermöglicht, die als geschosshohe Träger wirken. Die Auflager bilden die Treppenscheibe, der Nebenraumkern im Erdgeschoss als Sichtbetonkonstruktion und zwei V-förmige Stützen im Gemeindesaal. Zwischen dem schwebenden Dachvolumen und der Platzfläche spannt eine raumhohe Glasfassade mit Öffnungsflügeln. Der Boden als heller Sichtestrich verbindet innen und außen optisch miteinander. Der schwebende Baukörper ist außen mit hinterlüfteten, lasierten, vorbewitterten vertikalen Holzleisten verkleidet. Die Struktur zieht sich auch über die Dachfläche, um den Baukörper homogen und ruhig wirken zu lassen. Im Obergeschoss erzeugt ein weiß lasierter Holzboden mit den weiß verputzen Wänden und Dachschrägen eine helle freundliche Atmosphäre. DetailsWie wollen Sie die gereihten Satteldächer konstruktiv und entwässerungstechnisch lösen? Das Motiv der gereihten Satteldächer ist ein wesentliches Entwurfsmerkmal. Durch den Bebauungsplan war eine Dachneigung zwischen 30°-50° zwingend vorgegeben. In den ersten Entwurfsansätzen hatten wir natürlich auch die Variante eines längsgestreckten Satteldaches getestet Hierbei wäre ein wesentlich größeres Gebäudevolumen entstanden mit dem zusätzlichen Nachteil einer großen Höhe in der Mittelachse des Gebäudes und bedingt durch den östlich gelegenen Flur mit den gereihten Gruppenräumen unschönen Raumzuschnitten. Die gereihten Satteldächer reduzieren also das Gebäudevolumen, samt Baukosten, aber auch Unterhaltkosten durch ein wesentlich geringeres zu beheizendes Volumen. Nachteil der Konstruktion ist der Mehraufwand durch die Entwässerung der einzelnen Kehlen. Die Idee das gesamte schwebende Volumen auch im Dachbereich mit einer hinterlüfteten Bekleidung zu verdecken ermöglicht es, die Kehlen mit großzügigem Gefälle und Querschnitt in Querrichtung auszubilden und trotzdem trotzdem ein geometrisch präziser Körper zu entwickeln. Ansichten Ost und WestGibt es schon einen geplanten Fertigstellungstermin? Ein präziser Bauzeitenplan steht noch nicht fest. Es soll jedoch unmittelbar mit der Planung begonnen werden. Modell von Norden (Foto: A:dk architekten datz kullmann, Mainz)Das eMail-Interview führte Peter Petz |
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